Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 261)
- Language
- German
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bewerbe die uralt eingewurzelten Gefühle der Abneigung, ja des Hasses zu verstärken, die namentlich im mittleren und kleinen Handels- und Gewerbestande gegen die Juden lebten. Die Schriftstücke, die hier vornehmlich erörtert werden müssen, sind: Das Bittgesuch vom 25. Juli 1791, die Denkschrift und ihre Beilagen nebst dem Begleitschreiben vom 11. August und endlich die Bittschrift vom 24. September, die dem Kaiser in Prag überreicht wurde, wohin er zur Königskrönung gekommen war. 2. Das Bittgesuch vom 25. Juli 1791 Das Bittgesuch vom 25. Juli ist von sieben Handlungsvorstehern unterzeichnet, an ihrer Spitze Johann Krines, von Repräsentanten der Alt- und Neustadt, den Vorstehern und Mitvorstehern der Zünfte und Mittel der Weiß- und Sämisch.. .macher, der Handschuhmacher, der Rosolifabrikanten, der Hutmacher, Kürschner, Gschmeidler, der Glaser, Sattler, Schneider, Posamentierer, Riemer, Buch- und Papierhändler, zwei Apothekern, einer ganzen Reihe von Großkauf leuten und Fabrikanten, darunter Klinger im Namen und als Mandatar des gesamten Untergebirgsfabrikstandes (Rumburg, Warnsdorf usw.); kurz, es ist kein Zweifel, daß wir es hier mit dem Meinungs- und Willensausdruck eines sehr großen, wenn nicht des weitaus überwiegenden Teiles des christlichen Handels¬ und Gewerbestandes Böhmens zu tun haben, mag auch dieser Ausdruck seine Form aus der Hand, dem Geiste der beiden Bevollmächtigten erhalten haben. Und ist auch weite Verbreitung einer Meinung kein Beweis für ihre Wahrheit, Allgemeinheit einer Überzeugung kein Beweis für ihre Richtigkeit, Übereinstimmung der Forderungen einer Masse kein Beweis für ihre Berechtigung und ihre Zweckmäßigkeit, so fallen sie doch als politische Kraftäußerungen schwer ins Gewicht. Es ist begreiflich, daß diese „unterthänigst wehmüthigste Darstellung und Bitte" voll ist von Übertreibungen, daß die grellsten Farben aufgetragen werden, wenn auch die Einleitung dem Ganzen den Charakter rein sachlichen, im Sinne der merkantilistischen Lehre wissenschaftlich begründeten Beweises zu geben versucht. Wer gehört werden will, glaubt, schreien zu müssen, und meist hat er recht damit. Die Bittschrift kündigt zunächst den Gegenstand an: der täglich um sich greifende Verfall Böhmens, seines Handels, seiner Industrie, seines Handwerks ist ausschließlich Schuld der unersättlich gelddürstigen Juden. Die Quelle alles Wohlstandes ist die Activhandlung. Diese ist durch die Juden ruiniert, die ,,durch die Gesätzwidrigsten und Verabscheuungswürdigsten Mittel das ganze zirkulirende Vermögen an sich gerissen 250