Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 260)
- Language
- German
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hörte fast zum unvermeidlichen Bestand derartiger Beschwerdeschriften. Sie konnte viel, konnte aber auch recht wenig bedeuten. Die unter dem Vorsitz des Erzh. Franz am 23. und 26. Juli 1791 abgehaltene Konferenz — der Sitzung vom 26. wohnten auch die ständischen Deputierten bei — schlug die der Form nach zustimmende, zugleich jedoch hinausschiebende Antwort vor: „Daß Eure Majestät besorgt sein werden, die Nahrungszweige und die Zahl der Judenschaft nach Billigkeit zu beschränken, und sie für die übrigen Klassen von Einwohnern unschädlich zu machen, daher auch das ohnehin in der Arbeit befindliche Judenpatent demnächstens erscheinen werde." Aber auch dieser Antwort traten im Staatsrate die alten Ratgeber Maria Theresiens und Josephs, Hatzfeld und Kaunitz entgegen, weil die Juden durch neue Beschränkungen nur zu Betrug und Wucher getrieben würden. In solcher Gesinnung stimmte Leopold mit ihnen überein und nahm daher die von ihnen vorgeschlagene Entschließung an: „Ist in dem Bescheide an die Stände von der Verminderung der Judenschaft und der Beschränkung ihrer Nahrungszweige zu praescindiren und den Ständen nur überhaupt zu sagen, daß in dem neu herausgebenden Judenpatent der Bedacht würde genommen werden, diese Nazion für das Land nützlich zu machen66, während er in allem übrigen das Einraten der Kanzlei genehmigte. b) Klinger und Herbinger 1. Die Stimmung der Bürgerschaft Ebenso erfolglos waren, wenigstens in der Hauptsache, die weit gefährlicheren Angriffe, die vornehmlich aus der Mitte des Bürgerstandes der Sudetenländer, aber auch Galiziens und Ungarns gegen die Juden geführt wurden. Sie fanden ihren schärfsten Ausdruck in der Denkschrift,71 die die Bevollmächtigten der Prager- und Landbürgerschaft, der Handlung überhaupt und aller Kommerzialbeamten, der Landesadvokat Dr. jur. Anton Klinger und der Landesingenieur Karl Herbinger, dem Kaiser übergaben. Der Anfang dieses Bittschreibens, die Beilagen, die Unterschriften weisen auf eine umfassende und eindringliche Werbetätigkeit im ganzen Lande hin. Freilich war der Boden für solche Saat wohl vorbereitet, denn die kurze Regierungszeit Josephs hatte nicht genügt, die Gesinnungen der Masse wirksam zu beeinflussen; und was sich an unmittelbaren Folgen der Toleranzpatente an wirtschaftlicher Entwicklung der Judenschaft offenbarte, war eher geeignet, durch die Nötigung zu verschärftem Wett- 249