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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1934-01-01 · 6 (1934) · page 246

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
6 (1934)
Date
1934-01-01
Page
– (sequence 246)
Language
German
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IRI
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suchen, nach und nach ganz unter die Christen zu mengen, man muß sie ganz zu Bürgern eines und des nämlichen Staates umgestalten, man muß sie thätiger, zu allen Gewerben tauglicher, zum Ackerbau geneigter, man muß sie zum bürgerlichen Leben, zur Vertheidigung und Beschützung des Vaterlandes nützlicher und überhaupt ohne Rücksicht, als wenn es eine besondereNazion wäre, brauchbarer zu machen trachten. Einzelne, meint Riegger, würden dieses Ziel für sich erreichen, die Menge aber könne nur durch staatliche Erziehungsmaßnahmen geändert werden. Dann könne man „für die Zukunft eine ganz andere Nazion erwarten: das ist Bürger, die mit den übrigen ohne Unterschied der Religion, gleich denken und handeln werden. Der Staat wird einen Zuwachs nicht bloß an Menschen, sondern an Bürgern erhalten, er wird nicht mehr Juden, als Juden schädliche Einwohner, sondern jüdische Staatsbürger und nützliche Untertanen in seinem Schöße einschließen." Der Gedankengang ist völlig klar: Nur die Beseitigung aller Unterschiede bis auf den der Religion führt zum Heile der Juden und zu dem des Staates. Dieses Ziel läßt sich aber, dies ist Rieggers Überzeugung nur erreichen, wenn [a)] „die jüdische Jugend, weil sie der jüdischen Religion zugethan ist, auch als solche besser als bisher geschehen ist, erzohen und gebildet wird". Das berührt sich mit Gedanken, die im Kreise der reformfreundlichen Juden vertreten werden. Die öffentlichen Schulen, die bisher eingeführt worden sind, die Normalschulen, sind gut und nützlich, aber sie können nicht eine eigentlich jüdische Bildung und Erziehung vermitteln. Daher soll man [b)] auch öffentliche jüdische Schulen einführen und sie mit den deutschen Schulen der Juden verbinden. Lehrgegenstände der jüdischen Schulen [c)] wären Religionsunterricht, jüdische Geschichte, Vaterlandsgeschichte insbesondere, mit Moral, überall auf das Alte Testament und Geschichte angewandt; dazu die Anfangsgründe der hebräischen Sprache. Punkt d) wiederholt in Kürze die im Gutachten von 1786 ausführlich gegebene Darstellung der bisherigen jüdischen Erziehung und das dort über ihre Wirkungen gefällte Urteil: „So wurden nichts als spitzfindige Talmudisten, Wortumdreher, Heuchler, Menschen ohne Sitten und Moral — Menschen ohne Menschlichkeit gebildet, Juden bloß im Übeln Verstände." Demgemäß fordert er auch [e)] verschiedene Arten (er sagt Klassen) von Schulen je nach den Bedürfnissen, ähnlich wie bei den deutschen Schulen: Land- und Volks-, Stadt- und Bürgerschulen, Hauptschulen sollen errichtet werden — Knaben- und Mädchenschulen, und insbesondere Industrialschulen. Damit geht Riegger freilich weit hinaus über den Plan bloßer Religionsschulen: solche Schulen sind von weit ausblickenden Gesichtspunkten einer durchgreifenden Änderung der Stellung 235

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