Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 245)
- Language
- German
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erstatten". Der Schluß des Berichtes weist darauf hin, daß der der Kommission beigezogene Mittelsrat von Riegger einige abgesonderte „Erinnerungen" beigelegt habe, die man beilege. Unterzeichnet ist dieses Gutachten: 23. Dezember 1790. Graf Cavriani (der Präsident abwesend) und Johann Franz von Herrmann. b) Die nachträglichen Erinnerungen RieggersSO Riegger sucht in diesen „Erinnerungen" zu dem Kommissionsberichte das Streben des Teiles der Judenschaft, der das galizische Judenpatent für Böhmen anstrebte „—des besseren und aufgeklärteren" wie er sagt, nach Möglichkeit zu fördern. Einleitend weist er auf seine früheren Berichte über die Schulverbesserung bei den Juden hin (6. und 17. Juli 1786 und 21. Jänner 1788) von denen er nach dem, was wir gesehen (s. S. 203) allerdings mit Recht sagen kann, sie seien bisher unerledigt geblieben. Wiederum sind es die Schul- und Unterrichtsanstalten, die der Berichterstatter vornehmlich ins Auge faßt, und zwar in enger Verbindung mit dem der galizischen Judenschaft erteilten Patente. Immer wieder betont er, daß alle politischen Einrichtungen zu Gunsten der jüdischen Nation ihren Endzweck gewiß verfehlen müssen, wenn nicht die moralische Verbesserung, die Änderung des Charakters und der Sinnesart des jüdischen Volkes gelingt. Es ist ihm gewiß, daß dies lange Zeit, viele Arbeit kosten wird. Aber man soll doch nicht verzweifeln. Im Gegensatze zu mancher anderen seiner Äußerungen urteilt er hier optimistisch: „Andere Staaten und Länder Europens gaben uns schon die schönsten Beispiele — selbst die italienischen Staaten, die unter der weisen und milden Regierung unseres Monarchen stunden, bestätigen es — daß die Juden nicht überall so roh, so ungebildet, so unmoralisch seyn müssen, denn die wenigen, die anders gestimmt sind, können keine Ausnahme machen." Riegger spielt hier auf die Verhältnisse des von 1765 bis 1790 von Leopold beherrschten Toskana an, in dessen Residenz Florenz sich die Juden ebenso wie in Livorno besonderer Freiheiten erfreuten und als Handelsherren eine bedeutende Stellung einnahmen. Als das wichtigste erscheint ihm die Entnationalisierung der Juden. „Der Hauptgrundsatz, und das mächtigste Reformationsmittel wird immer seyn müssen, daß die Juden eine besondere eigene und abgesonderte Nazion zu seyn aufhören." — „Sie sollen ihre Religion behalten, sie sollen Israeliten bleiben, aber sie sollen nicht bloß Pharisäer, Talmudisten — sie sollen nicht Schwärmer und Sophisten, sondern sie sollen Moralisten, sie sollen nun wahre Menschen und Staatsbürger seyn. Man muß sie daher 234