Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 225)
- Language
- German
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Mittlerweile hatte auch in Prag (6. Mai) eine Zusammenkunft besonders wichtiger Kontribuenten stattgefunden, im Einvernehmen mit dem Oberrabbiner „im Namen der ganzen Kommunität" das nachfolgende Gesuch an den Kaiser beschlossen und nach Wien gesendet. Es wurde durch Samuel Landau, Marcus Karpelis und Seligmann Kallmus am 18. Mai dem Kaiser persönlich überreicht.26 „Seit eines unvordenklichen Zeitalters haben die hierländischen Israelitischen Glaubensgenossen das Glück unter dem Schutz des durchlauchtigsten Erzhauses Österreichs zur Zufriedenheit des Staates zu leben. Es wurden dieser Nazion nicht nur Privilegien und Freyheiten in Rücksicht auf die Nahrungszweigen sowohl in Ansehung der Commercial- und Industrial-Anstalten, als auch in Ansehung der sonstiger Nahrungsbetrieben gnädigst vergönnet; sondern was ihr an wahrer Glückseligkeit am Herzen lag, daß sie in ihrer Religion ungestört und in Ausübung ihrer Gebräuchen mildreichest geschützet wurde und ihr diese Allerhuldreicheste Vergünstigung von Regent zu Regent allergnädigst bestätigt wurden. Die grossen Beyspiele mit welchen--Väterlichen Auge Euer Apostolische Majestät auch höchst derselben Unterthanen ohne Rücksicht auf Verschiedenheit der Religion abblicken flössen dieser sehr gebeugten israelitischen Nazion Muth und Hofnung sich dem Höchsten Thron Euer Apostolischen Majestät in tiefester Erniedrigung zu nahen und Fußfälligst um gnädiger Bestätigung der ihr angediehenen Privilegien und Freyheiten dann um höchst Väterlichen Milde, womit sie in ihrer Religion und Ausübung derer Gesetzen und Gebräuchen nicht gestöhret werden möchten allerunterthanigst zuflehen und — dieselbe wird sich noch ferner aeusserst bestreben sich als treüe Unterthanen auszunehmen, um dieser Allerhöchsten Gnade würdig zu seyn. Prag, den 6. Mai 1790. Prager Judenschaft. (34 Unterschriften.27)" Die Außenseite (das Rubrum) faßt die Bitte kurz zusammen: Verleihung der Privilegien, Beschützung ihrer Religion und ungestörte Ausübung ihrer Gesetze und Gebräuche. Leopold befragte die Abgesandten um verschiedene Einzelheiten und gestattete, daß sie ,,alle diese Umstände, bey welchen sie sich in ihrer Religionsausübung beschwert und gekränkt fänden", schriftlich entwerfen und ihm vorlegen sollten. Die Arbeit wurde in kürzester Zeit vollendet und das Schriftstück schon drei Tage nach der Audienz, am 21. Mai 1790, eingereicht.28 Der Nachtrag ist ziemlich ausführlich. „Unterzeichnete hatten die allerhöchste Gnade den 18. d. M. eine von der sämtlichen Prager Juden- 214