Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 215)
- Language
- German
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mit die Entscheidung darüber, ob die von Josef verfügte Heranziehung der Juden zum Militärdienste beibehalten werden solle oder ob die persönliche Dienstleistung wenigstens wahlweise durch eine Geldzahlung ersetzt werden dürfe. Der zweite Gegenstand aber waren die gleichfalls von Josef erlassenen neuen Steuergesetze. In Bezug auf beide Fragen aber herrschte auch unter den Juden selbst keine einheitliche Auffassung. A. DIE BÖHMISCHE LANDESSTELLE UND DIE GALIZISCHE JUDENORDNUNG a) Die Absichten Kaiser Josefs II. Die galizische Judenordnung Josefs II. stellte einen ernsthaften, vollständig redlich gemeinten Versuch dar, eine wirkliche Gleichstellung der jüdischen Untertanenschaft mit der christlichen herbeizuführen oder doch vorzubereiten. Ohne hier auf die lange Geschichte des Werdens dieses Gesetzes einzugehen, von dem im weiteren noch mehrfach die Rede wird sein müssen, bietet sie doch eine Gelegenheit, die wahren Absichten und Gesinnungen des Kaisers in der Judenfrage kennen zu lernen, wie sie sich gegen Ende seiner Regierung herausgebildet hatten. Am 28. Mai 1788 erstattete der Staatsrat sein Gutachten17 über den Vortrag der Vereinigten Böhmisch-Österreichischen Kanzlei vom 19. März 1788, „mittels dessen der schließlich berichtigte Patentsentwurf über das neue Judensistem für Gallizien zur allten Schlußfassung vorgelegt" ward. Den Gutachten der Staatsräte Margelik, Eger, Jzdenczy, Reischach und Hatzfeld wurde, wie üblich, ein diesmal sehr ausführlicher Resolutionsentwurf angefügt.18 Der Kaiser strich diesen ganzen Resolutionsentwurf und setzte an seine Stelle eine von Semlin, den 20. Juni, datierte Entschließung, deren äußere Form schon das Unmittelbare und Persönliche zeigt. Man erkennt an den Streichungen und Änderungen genau, wie der Kaiser diktiert, überlegt, den Ausdruck ändert, und überdies finden sich sogar Eintragungen von eigener Hand. Er hat also das Diktat nochmals überlesen und die ihm nötig scheinenden Verbesserungen angebracht. Man beachte Zeit und Ort: Es ist das erste Jahr des Türkenkrieges, den Joseph im Bunde mit Katharina II. begonnen hatte; Semlin liegt in unmittelbarer Nähe des Kriegsschauplatzes. Und der Verlauf der Kämpfe bereitete dem Kaiser ernste Sorgen! Auch diese „Resoluzion" ist hier nicht in ihren Einzelheiten zu behandeln; wohl aber verdient die Einleitung wiedergegeben zu werden, weil sie die Grundgedanken und letzten Absichten des Kaisers in der 204