Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 213)
- Language
- German
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dete. Zu dem Umstände, daß diese Sprache von einer verhaßten religiösen Minderheit gesprochen wurde, kam noch, daß ihr etwas Unheimliches, Geheimnisvolles, Gefährliches anhaftete. Daß sie etwas allmählich, organisch Entstandenes war, ging den gelehrten Rationalisten des achtzehnten Jahrhunderts nicht ein, ja ein solcher Gedanke kam ihnen gar nicht. Wie ihnen der Staat auf Grund des Staatsvertrages, eines bewußten, verstandesmäßig beeinflußten Willensaktes geschaffen war, so erschien ihnen die „jüdische" Sprache als eine „Erfindung", zum Zwecke des Betruges an Christen, der Verständigung über lichtscheues Tun.14 Dieser Gedanke lag um so näher, als ja die Juden sich ihres Jargons wirklich auch gegebenen Falles als einer Art Geheimsprache bedienten und überdies die Gaunersprache tatsächlich eine Menge hebräischer Wörter, z.T. in ihrer „jüdischen" Verunstaltung, in sich aufgenommen hatte. Das Deutsche lag nun doch auch dieser Judensprache zu Grunde. Daraus ergab sich von selbst der Gedanke, die Juden von ihrer verdorbenen zu einer reinen deutschen Sprache zu führen. Sie der umgebenden slavischen Bevölkerung anzugleichen, den Sprachunterschied zwischen Juden und Tschechen oder Polen zu beseitigen, lag trotz der Bestimmungen über die Sprache der Urkunden und dergleichen gänzlich außerhalb der Absichten der germanisierenden, auf Einheitlichkeit der Sprache hinarbeitenden Politik des österreichischen aufgeklärten Absolutismus. Das böhmische und das galizische Gubernium wurden also auch über den Dessauer-Lichtenburgischen Plan vernommen und beide stimmten darin überein, daß von ihm nicht wohl eine Anwendung gemacht werden könne. Dagegen wurden von beiden Landesstellen nach Anhörung der jüdischen Vorsteher Vorschläge gemacht, „durch welche die jüdische Nazion gewisser und in kürzerer Zeit zur Aufklärung geleitet werden dürfte."1* Die galizischen Vorschläge lassen deutlich den Einfluß Herz Hombergs erkennen; sie gehen dahin, daß die deutschen Schulen für die Juden mit den christlichen vereinigt werden sollen; die hebräischen Bücher für ihre Religionsschulen sollen mit einer beigefügten deutschen Übersetzung aufgelegt werden -, das entstammt dem Mendelssohn'schen Gedankenkreis.- In Wien wäre ein Hauptinstitut der jüdischen Religionsschulen aufzustellen, Herz Homberg ein überwiegender Einfluß auf das ganze jüdische Schulwesen in Galizien zu sichern. Der 8. (letzte) Punkt fordert, daß die Juden zu einer mit den Christen ganz gleichen Kleidung verhalten werden ,16 Dem gegenüber verlangt das böhmische Gubernium, d. h. Riegger, für die jüdische Nation eigene öffentliche und so wie bei den Christen eingerichtete Unter- und Oberschulen. Die Aufsicht über diese Schulen hätten die Rabbiner, die Oberaufsicht aber die Landesstelle zu führen. 202