Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 212)
- Language
- German
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daß die tiefere Einsicht in die wirtschaftlichen und geselligen Zusammenhänge hier auf Seiten Josefs und derjenigen seiner Ratgeber ist, die die Juden der Landwirtschaft und dem Handwerke zuführen wollen, um den Aufbau ihrer gesellschaftlichen Schichtung dem der übrigen Bevölkerung möglichst anzunähern. Die Juden von einander zu trennen und geflissentlich unter Christen aufzuteilen, erscheint Greiner noch verfrüht. Für das wichtigste hält er die Bildung der jüdischen Religionslehrer „und daher hat man schon neulich die Frage aufgeworfen, ob, und in welcher Zeit vorgeschrieben werden könnte, daß kein Rabbiner angestellet werden dürfte, der nicht vorher die Philosophie auf einer hohen Schule studiert zu haben, sich mit den erforderlichen Zeugnißen ausweisen könnte. Wenn einst durch Philosophie aufgeklärte Köpfe die Religion lehren werden, dann müssen die talmudischen Vorurtheile und abergläubische Albernheiten von selbst nach und nach verschwinden." Solche Gedanken entsprechen ganz dem Geiste der Josefinischen Religionspolitik, wie sie sich der eigenen Kirche gegenüber in der staatlichen Beeinflussung der Priesterbildung (Generalseminarien) betätigt. Greiner meint, die Juden könnten über Bedrückung jetzt nicht mehr klagen, und wenn sie noch vorkomme, hänge sie von den Vorurteilen der Christen gegen die Juden ab und werde sich erst durch bessere Bildung beider Teile nach und nach verlieren. Die öffentliche Belobung und Belohnung jüdischer Eltern, Lehrer und Kinder, „die sich durch Fleiß und Verwendung im Schulfache hervorthun," erachtet er im Interesse weiteren Fortschrittes für selbstverständlich notwendig. c) Das Gutachten über den Lichtenburg-Dessauef sehen Vorschlag Das nächste Gutachten Rieggers bezieht sich auf einen von Dominik Schiller(n) von Lichtenburg und Nachmann Dessauer eingereichten Plan: wie eine reine deutsche Sprache unter den Juden eingeführet und eine allgemeine Aufklärung bei dieser Nazion bewirket werden könnte. Über diesen Plan selbst kann ich vorläufig nichts sagen, da ich wohl über ihn eine Reihe archivalischer Notizen gefunden habe, er selbst aber verloren gegangen zu sein scheint .13 Möglicherweise steckt er noch im Prager oder Lemberger Archive. Man legte mit Recht großen Wert darauf, die Scheidewand niederzureißen, die der Gebrauch der jüdisch-deutschen Sprache, des Jargons, zwischen der jüdischen Bevölkerung und ihrer christlichen Umwelt bil- 201