Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 211)
- Language
- German
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zeigt als die des Kollegiums in seiner Gesamtheit.11 Er ist auch hier der gleiche Mensch. Er erkannte zwar an,12 „daß alles dasjenige" was Schulprotokoll und Begleitungsberichte „in Ansehung der noch so zurückstehenden Aufklärung der jüdischen Nazion, und wegen der Hindernisse anführet, welche die Fortschritte dabei so beschwerlich machen gewiß seine Richtigkeit habe. Allein, was durch Jahrtausende, durch unveränderte Religionssatzungen mit dem Charakter der Nazion ganz verwebet ist, läßt sich unmöglich so schnell verändern und verbessern. Nachsicht , Geduld und behutsame Untergrabung der Vorurtheile können allein hier zu dem Endzweck leiten, voreilige oder gewaltsame Mittel würden eher schaden und durch Aufreitzung der Halsstärrigkeit dieser Nazion Hemmung der Aufklärung gewisser als Beförderung wirken." Was geschehen kann, ist: „1. daß der Schulbesuch der jüdischen Kinder erzwungen wird, die jüdischen Schulen ordentlich eingerichtet und mit guten Lehrern versehen werden. Wo die Juden zu arm sind, eigene Schulen zu errichten, müssen sie die Kinder in die christlichen Schulen schicken. Als Zwangsmittel sind bereits das doppelte Schulgeld und der Nachweis des Schulunterrichtes zur Erlangung des Heiratskonsenses vorgeschrieben. 2. Die Errichtung öffentlicher jüdischer Religionsschulen. Erteilung des Privatunterrichtes nur durch öffentlich geprüfte Lehrer. 3. Sollen die deutschen und hebräischen Schulen mit einander verbunden und mittelbar der Generaldirektion, unmittelbar eigenen jüdischen Vorstehern, welche über den selbst empfangenen Schulunterricht geprüft sind, untergeordnet und beständig beaufsichtigt werden. „Damit auch der hebräische, und damit verknüpfte Religions Unterricht, soviel möglich gleichförmig, und zweckmässiger werde, ist der schon jetzt zu Prag bestehende geschickte jüdische Lehrer Moses Wiener aufzumuntern, sich mit dem jüdischen Lehrer der Triester Schulen Herz Homberg in correspondenz zu setzen und die dießfälligen sowohl als die andern jüdischen Schulbücher immer aber soweit es nicht die Religion betrifft, mit Rücksicht auf die Übereinstimmung mit den schon vorhandenen christlichen Schulbüchern einverständlich auszuarbeiten." Hinsichtlich der künftigen Berufsausbildung der Juden steht Greiner auf einem völlig „liberalen" Standpunkte. Er meint, wenn die Juden keine Lust zum Ackerbaue und zum Handwerke zeigten, aber desto mehr zum Handel und zu Manufakturen, so habe sich der Staat nicht darein zu mischen, da es im ganzen gleichgiltig sei, ob die Juden als Handelsleute und Manufakturisten oder als Handwerker und Bauern zu nützlichen Staatsbürgern gebildet würden. Es braucht wohl nicht ausführlich nachgewiesen zu werden, daß Greiner hier die sozialpolitische Bedeutung der Berufsgliederung verkennt, 200