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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1934-01-01 · 6 (1934) · page 209

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
6 (1934)
Date
1934-01-01
Page
– (sequence 209)
Language
German
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IRI
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gewürdiget und gezwungen hat, das zu bleiben was sie vom Ursprünge her war (!)". - „Eben diese Vorurtheile, diese Hartnäckigkeit, dieser Stolz auf eingebildete Vorzüge der Nazion dieser Hang zum abergläubischen, blos zeremoniellen, diese durch ihre Religion selbst begünstigte Unsittlichkeit ihrer Grundsätzen, hindern Juden im ganzen genommen und werden sie noch Jahrhunderte hindern, mit andern Völkern gleiche Schritte in Kultur, in Verfeinerung ihres Verstandes, sowie in Verbesserung ihrer Sitten zu thun. Langsam wird es also in Aufklärung und Sittenverbesserung bei den Juden immer hergehn. Unterricht und Erziehung sind es also allein, die es vielleicht in der Zeitfolge gewähren können." Es ist schwer zu entscheiden, ob und wie weit der besondere Zweck, die Begründung der Reformvorschläge, der Erweis ihrer Notwendigkeit, den Ton dieser Darstellung beeinflußt hat. Im ganzen und großen entspricht sie den wirklichen Anschauungen Rieggers; das ist mit Rücksicht auf seine sonstige Haltung nicht zu bezweifeln. Man darf auch nicht vergessen, daß man es mit einem Staatsmanne der Aufklärung zu tun Jhat, dem der jüdische Konservatismus ebenso als Hindernis für diese erscheint, wie verschiedene Einrichtungen und Gebräuche seiner eigenen Religion und der daher auch hier den Aberglauben bekämpfen zu müssen glaubt. Daß es ihm ernstlich darum zu tun ist, zu bessern, zeigen seine Vorschläge. Bei deren Beurteilung muß man auch die allgemeinen Anschauungen Josefs und seiner Staatsmänner in nationalen Dingen in Betracht ziehen. Möglichste Angleichung der Juden an ihre Umgebung, möglichste Beseitigung der Unterschiede in Lebensauffassung und Lebensführung zwischen ihnen und ihrer Umwelt bei Schonung ihres religiösen Empfindens, kurz die Umwandlung der jüdischen Nazion in eine israelitische Religionsgemeinschaft ist das Ziel. Vieles von dem, was verlangt wird, deckt sich mit den Wünschen und Forderungen des fortschrittlichen Judentums der Aufklärungszeit oder läßt sich damit wenigstens in Übereinstimmung bringen. Die Vorschläge Rieggers lauten demgemäß: 1. Öffentliche Erziehung und Unterricht muß mit der privaten Erziehung und Unterricht soweit möglich harmonieren; daher a) wie es füglich schon verordnet ist, wäre(n) kein(e) privat Lehrer den Juden zu gestatten, die nicht soviel möglich gut unterrichtet, aufgekläret, und zu diesem Endzwecke geprüfet wären, und hierauf würde mit allem Ernste zu dringen seyn. b) Das jüdischdeutsche wäre ganz und gar abzuschaffen, so wie es schon bei den Handlungsbüchern und anderen rechtsgültigen Akten, und Schrieften abgestellet ist; daher wären in Zukunft, wenn nämlich der Gebrauch der deutschen Sprache mehr gegründet seyn wird, keine Bücher 198

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