Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 207)
- Language
- German
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tägliche Übung, freilich ohne zu verstehen, was es plappert, fleißig erlernet; im dritten oder längstens im vierten Jahre seines Alters wird das Kind zu einem jüdischen Lehrmeister geschickt, und selbem zu Hause ein Boucher oder Informator gehalten, wo es die Kenntnisse der wirklich hebräischen Buchstaben, und vocalpunkten samt der sehr groben, fehlerhaften, und nur unter den Juden üblichen Aussprache erlernet, hierauf gibt man ihm zur Übung im Lesen das Siderl oder Hebräische Bethbüchel in die Hände, um also mit der Fertigkeit im Lesen sich zugleich die tägliche Gebetformuln bekannt zu machen, ohne doch selbem zugleich den Verstand, oder Sinn der Hebräischen Wörter, die es hersaget zu erklären. Endlich wird der Pentateuchus vor die Hand genommen, der Lehrer sagt ihm Vers zu Vers den hebräischen Text, und gleich darauf in der groben jüdischen Mundart die deutsche oder vielmehr jüdisch-deutsche Übersetzung vor, und so fahrt er fort, bies auch einige Fragmenten aus den Propheten und verschiedenen Büchern des alten Testamentes geendiget sind. Auf diese Weiße lernet das Kind die hebräische Sprache blos aus dem Gebrauche. - Denn bei den Juden wird an keine Grammatik, an keine Orthographie gedacht. Ja selbst der hiesige Oberrabbiner bekennet in einer gedruckten Empfehlung eines hier aufgelegten Buches, daß er niemalen grammatik gelernet, oder sich in derselben geübet habe;7 Ist der Pentateuchus geendiget, so wird der eine oder andere talmudische Traktat auf eben diese Art vorgenommen, Mitunter wird auch das Schreiben gelernet, doch nur in den Current Buchstaben, welche sowohl in den jüdischdeutschen, hebräischen, rabbinischen, oder chaldäischen Sprachen gebraucht werden; die großen, oder Hebräischen quadrat Buchstaben werden blos allein in den auf Pergament geschriebenen Gesätz Büchern gebrauchet, und nur von ein- und andern diesfalls geübten Schreibern, die davon ordentlich Profession machen, erlernet. Wenn das Kind die Current Buchstaben schreiben kann, so bringet man selben auch die Kenntniß der gedruckten jüdisch-deutschen Lettern und derselben Lesart bei; bei allem diesem Unterricht, wie auch zu Hauße, im Umgang mit andern Kindern, und überhaupt aller Orten wird keine andere als die jüdischdeutsche korupte misch-maschsprache geredet, und es giebt eine Menge jüdischer Kinder, welche viele hundert Dinge nicht mit ihren wahren deutschen Namen, sondern nur mit dem jüdischen zu nennen wissen. Mit Erlernung dieser oder jener Talmudischen Traktate, wird der Jud vorzüglich beschäftiget, erfüllet sein gedächtniß mit 100 Vorurtheilen, Fabeln und unzähligen anderen, den Verstand verfinsternden, alle Auf klährung verhindernden Dingen aus. Es ist aber der Talmud bei den Juden divinae authoritatis und in einem höheren Ansehen als das alte Testament selbst, und in der collision 2 geboten eines Mosaischen und Talmudischen wird immer dieses letztere dem ersteren vorgezohen. 196