Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 206)
- Language
- German
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Er verwahrt sich - gewiß in ehrlicher Überzeugung - gegen den Vorwurf des Religionshasses: „Solange die jüdische Nation unter uns bloß geduldet und nicht gebildet, moralisch umgeschaffen und impatriiert wird, ebenso lange werden jene Vorwürfe des Wuchers, des unbilligen Übergewichtes im Kommerz, und der Gleichgültigkeit gegen das Vaterland dauern." Den Vorschlag, die Juden aus Böhmen zu entfernen und in den ungarischen Provinzen anzusiedeln, lehnt er ab: „Die Juden ganz zu entfernen, würde die Menschenliebe äußerst beleidigen, das gegenwärtige Zeitalter entehren, und was das Schlimmste ist, unsere Staatsverfassung und Kommerz ungefähr auf jene Art erschüttern, wie wir zu Anfang des siebzehnten Jahrhunderts durch die Verbannung der böhmischen Unkatholiken erschüttert worden sind."4 D. h. also, er betrachtet die Tätigkeit der Juden trotz aller Bedenken, die er gegen sie hat, als einen unentbehrlichen oder doch nur schwer entbehrlichen, wirksamen Teil des böhmischen Wirtschaftslebens, genau so wie die Stände und das Gubernium, die sich um den Widerruf des Verbannungsbefehles Maria Theresias bemüht hatten. b) Das Gutachten vom April 1786 Von diesen Gesichtspunkten geht auch das Gutachten aus, mit welchem das Gubernium das Normalschulprotokoll für den April 1786 einbegleitete. Das Gubernium hat zu diesem Protokolle nichts zu erinnern, da die Oberschulendirekzion bereits alles Nötige veranlaßt hat, nur zu Nr. 26 muß man sich in Betreff der äußerst verdorbenen Moralität der Juden näher äußern.5 Der Verfasser des Gutachtens ist, wie er in den späteren „Erinnerungen" ausdrücklich erklärt,6 eben unser Gubernialrat Joseph Anton von Riegger. Daß die Moralität der Juden äußerst verdorben sei, steht dem Verfasser fest; was er unter dieser verdorbenen Moralität versteht, erhellt aus dem oben Gesagten: es ist ihr Verhalten in wirtschaftlichen Angelegenheiten. Im vorliegenden Falle kommt es darauf an, „wie durch Schulunterricht die Aufklärung unter den Juden verbreitet und die Moralität ihres Charakters verbessert werden könne. Um diese Frage gründlicher behandeln zu können, so wird vorläufig die Hauserziehung und der Privatunterricht der hiesigen jüdischen Jugend, wie er dermalen ist, betrachtet und zergliedert werden. Bei den Juden also, sobald ein Kind zu reden anfängt, so lehret man es auf Hebräisch die verschiedenen Benedictionen, welche die Juden bei dem Aufstehen aus dem Bette, bei Anziehung eines jeden Kleidungsstückes, beim Genüsse dieser oder jener Gattung von Speiß, oder Trank herzusagen pflegen, und welche das Kind durch die 195