Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 181)
- Language
- German
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von jener Zeit an lassen im Judenviertel eine bemerkenswerte Ähnlichkeit mit den Teilen, die in unseren Plänen reproduziert sind, erkennen. Die in dem Gutachten der königl. Repräsentanz über den Wiederaufbau des Prager Ghettos hervorgehobenen und auf dem Plane graphisch dargestellten Grundsätze wurden zum größten Teile verwirklicht. Die Judenstadt bekam ein anderes Aussehen. Die eigentliche Restaurierung der Häuser zog sich lange hin. Zuerst wurden die Bethäuser wiederhergestellt. Man kann aus den Grabsteinen auf dem jüdischen Friedhof erkennen, welche Männer sich um deren Wiederherstellung verdient gemacht haben. So z. B. erwarben sich große Verdienste um den Aufbau der Großhofsynagoge besonders der Vorsteher der jüdischen Gemeinde, Simon Fröscheis, weiter Abraham, der Sohn des Primators Isak Lowatitz, und Solkind Schmelkes. Die Neusynagoge verdankte ihre rasche Erneuerung dem David, einem Sohne des Löb Kuh. Die Restauration der Synagogen ging rasch vonstatten. Das sieht man an der Zigeunersynagoge, die in zehn Monaten wieder ganz hergestellt war. Den Gegensatz dazu bildete die verspätete und langsame Erneuerung des jüdischen Rathauses, zu der es erst in den Jahren 1762-1765 kam. Gebaut wurde unter der fachlichen Leitung zweier christlicher Baumeister, die mit einer ganz erheblichen Machtvollkommenheit ausgestattet waren. Im Zusammenhange mit dem Bau verlangten die Juden auch, daß ihnen einzelne christliche Häuser in der Nachbarschaft des Ghettos überlassen, eventuell verkauft werden möchten. So bemühten sie sich z. B. um das Haus der Therese Jefabek in der Karpfengasse. Ihr Ansuchen wurde jedoch abgewiesen, da in dem Hause eine Kompagnie Soldaten einquartiert war. Es ist auch bekannt, daß einige christliche Hausbesitzer die Wiederherstellung der Judenstadt zur Erweiterung ihrer Häuser benützten. So z. B. wurden gegen den Altstädter Bürger Johann Peter Steinpiller Klagen laut, daß er die Stiegen seines Hauses allzuweit in die Gasse hinaus gegen das gegenüberstehende Haus des Juden Jakob Eger vorgeschoben habe. Die Ausarbeitung des neuen Planes zum Wiederaufbau der abgebrannten Judenstadt, die Aufsicht über dessen Einhaltung und Durchführimg, beschäftigten hauptsächlich die landesfürstlichen Behörden. Daneben befaßten sich diese auch mit der finanziellen Frage, die nicht weniger wichtig und dringlich war. Es ging darum, wie den Juden zu helfen und ihnen der Wiederaufbau der abgebrannten Häuser zu erleichtern wäre, und wie in dieser Sache die Interessen der Staatskasse mit der Humanität in Einklang gebracht werden könnten. Es ist früher erwähnt worden, daß die Juden kurz nach dem Brande bei der Kaiserin um Hilfe ansuchten, und ebenso daß Maria Theresia mit 170