Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 172)
- Language
- German
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Verbreiterung der Gassen und der Durchführung der anderen ersprießlichen Maßnahmen einverstanden sei und daß sie den vorgeschlagenen Plan genehmige und bestätige. Die Entscheidung war gefallen. Die Juden waren gezwungen, ihre Häuser nach dem von der königl. Repräsentanz beantragten und von Ingenieur Gorche, dem für seine Arbeit aus der jüdischen Hauptkasse zwölf Dukaten ausgezahlt worden waren, ausgearbeiteten Plane zu erbauen. Leider ist der Originalgesamtplan Gorches nicht erhalten geblieben.24 In dem benützten, jetzt im Ministerium des Innern hinterlegten Aktenmaterial sind jedoch gewisse Entwürfe oder Bruchstücke dieses wichtigen Planes aufbewahrt. Sie wurden den den Plan behandelnden Akten ohne auch nur ein Wörtchen der Erklärung angeschlossen. Sie beziehen sich nicht auf die ganze Judenstadt, sondern nur auf einige Teile und Häuserblocks. Sie bilden den ersten, wenn auch unvollständigen, genauen Plan der Prager Judenstadt, der uns erhalten ist. Die früheren Pläne25 von Prag sind sehr ungenau und unvollständig, was umsomehr von der Judenstadt gilt, die in den Gesamtplänen von Prag nur sehr oberflächlich eingezeichnet zu werden pflegte. Der erste genauere Plan von Prag und somit auch der Judenstadt ist erst der Plan von Herget aus der Regierungszeit Leopolds II. In dem Plan sind jedoch nur die Häuserblocks verzeichnet und nur hervorragende örtlichkeiten im Grundriß angedeutet. Der erste wahrhaft genaue Plan von Prag nach einzelnen Häusern ist erst jener von Jütner aus den Jahren 1811-1815. Bei einer Vergleichung unserer kleinen Pläne, d. i. der Vorschläge für den Aufbau der Judenstadt nach dem Jahre 1754, mit dem Jütnerschen Plane und den späteren Plänen von Prag aus der Zeit vor der Assanierung erkennen wir, daß der Vorschlag wirklich, wenn auch nicht bis zum letzten Buchstaben, iit die Tat umgesetzt wurde. Es sind im Ganzen fünf kleine Pläne; sie sind von verschiedener Größe, was das Format des Papiers betrifft, indes ihre Abmessungen die gleichen sind. In ihnen sind die Grundrisse der einzelnen Häuser genau eingezeichnet, die mit besonderen Nummern bezeichnet waren, was wahrscheinlich Steuerzwecken diente, da es zu jener Zeit Konskriptionsnummern noch nicht gab. Bei jedem Hause sind - allerdings nur bezüglich des Erdgeschosses - Grundrisse der einzelnen Wohnungen und Lokalitäten, Gänge und Stiegenhäuser gegeben, die bei jedem Hause auch besonders gezählt und nummeriert sind. Zur leichteren Orientierung des Lesers, und um zu zeigen, welche Teile des Ghettos auf unseren Plänen genau verzeichnet sind, reproduziere ich in der Beilage zunächst den Plan der Judenstadt nach dem Jütnerschen Plane von Prag, in dem der Umfang des Ghettos in der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts eingezeichnet ist, und sodann jene Teile, die in unseren Skizzen genau planiert sind. 167