Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 164)
- Language
- German
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jüdischen Handschriften und Bücher alter jüdischer Gelehrter, insbesondere der wertvollen Arbeiten des berühmten Rabbi Elia Spira. Von der christlichen Altstadt wurde die Langegasse mit Umgebung bis zur Jakobskirche durch den Brand betroffen. Der Ursachen, aus denen die Katastrophe ein so schreckliches Ausmaß erreichte, sind mehrere. Zur Ausbreitung des Feuers trug unglücklicherweise besonders der Umstand bei, daß die Judenstadt mit ihren engen und krummen Gäßchen auf einen sehr kleinen Raum zusammengedrängt war, so daß die größtenteils aus Holz bestehenden Häuser geradezu eins an das andere geklebt waren. Dazu waren sie im Innern mit den verschiedensten Waren, Brennstoffen und Abfällen angefüllt, vor den Häusern standen auf den Gassen vielfach hölzerne Kramläden, welche die Feuergefährlichkeit der Stadt nur erhöhten und beim Brande die Rettungsarbeiten sehr erschwerten. Außerdem half bei der großen Ausbreitung der Feuersbrunst der fühlbare Mangel an Wasser und Löschgeräten erheblich mit. Die Juden wurden durch den an mehreren Orten gleichzeitig ausgebrochenen Brand so überrascht, daß sie nicht wußten, was sie früher anpacken sollten, und ihre Rettungsarbeiten zuerst auf die Bergung der Frauen, Kinder, Greise und Kranken konzentrierten. Dann erst begannen sie an die Löschung der Häuser, an die Rettung des bedrohten Eigentums und an die Lokalisierung des Brandes zu denken. Zu dieser Zeit war jedoch schon alles Löschgerät zur Sicherung der christlichen Häuser zusammengezogen worden, das von Zimmerleuten, Maurern und Kaminfegern sachgemäß gehandhabt wurde. Zum Unterschied von den Christen hatten die Juden fast nichts zur Hand, was sie hätten benützen können, um das Wüten des wilden Elementes einzudämmen . Die Rettungsarbeit und jedweder Aufenthalt in den Gäßchen zwischen den brennenden Häusern überhaupt war äußerst gefährlich, da ununterbrochen brennende Holzpawlatschen oder ganze Holzaufbauten der Häuser zur Erde fielen. Erst nach längerem Drängen der jüdischen Ältesten auf dem Altstädter Rathaus wurde die Wasserleitung geöffnet und so wenigstens zum Teil ein Löschen ermöglicht. Wenigen jedoch gelang es, etwas zu retten. Und das, was in die Christenhäuser oder auf den jüdischen Friedhof weggebracht worden war, war so vermengt und durcheinandergeworfen, daß die Eigentümer ihre Sachen, soferne sie nicht überhaupt bereits gestohlen waren, kaum wiederfanden, denn der raubgierige Prager Mob und auch das Militär benützten diese Gelegenheit zum Stehlen, während die Juden ihre Aufmerksamkeit auf die Rettungsarbeiten konzentrierten. Die Feuersbrunst, der zwei Menschenleben zum Opfer fielen, wütete die ganze Nacht, und erst am Morgen des 17. Mai gelang es, wenigstens ihre weitere Ausbreitung einzudämmern. Allein, was von ihr bereits erfaßt war, brannte gänzlich nieder. 159