Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 162)
- Language
- German
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Nach dem Brande des Prager Ghettos im Jahre 1754 Von Dr. Wenzel Zdcek Ins Deutsche übertragen von Oberfinanzrat Dr. Friedrich Karl Pick Die Vierziger- und Fünfzigerjahre des achtzehnten Jahrhunderts sind in der Geschichte der Prager Judengemeinde eine Zeit großer Trauer. Damals erreichte der Antisemitismus der Behörden seinen Höhepunkt, und sein Opfer sollte vor Allem das Prager Ghetto sein, dessen Mitglieder nach den harten Verordnungen der Kaiserin Maria Theresia gezwungen wurden, den Weg in die Verbannung anzutreten; wenn diese auch nur drei Jahre andauerte, so bildete sie doch einen schweren Schlag für die wirtschaftliche und zahlenmäßige Stärke des Prager Ghettos, das viel von seinem Reichtum und auch von seiner Bevölkerungszahl einbüßte.1 Diesem Unheil waren riesige Kontributionen und Abgaben, welche die Prager Juden zur Zeit der Kämpfe um Schlesien hatten an Freund und Feind entrichten müssen, sowie zahlreiche Plünderungen in ihrem Viertel und Gewalttätigkeiten gegen ihr Eigentum vorangegangen. Und als dann das Prager Ghetto nach all diesen Schlägen langsam wieder zur Besinnung kam - das Tempo der Erneuerung des ehemaligen Wohlstandes und der wirtschaftlichen Kraft des Ghettos war durch die Zahlung hoher Spezialabgaben für die Bewilligung der Rückkehr gehemmt - wurde es im Jahre 1754 von einem neuen Unheil, einem katastrophalen Brande heimgesucht, dem fast alle Häuser und der Großteil des Ghettoeigentums zum Opfer fielen. Die Feuersbrunst brach in der Nacht vom Freitag auf den Samstag am 16. und 17. Mai 1754 in einem christlichen Hause gegenüber der Alten Synagoge aus.2 Gleichzeitig schlugen Flammen in einem jüdischen Hause in der Zigeunergasse und im Hause neben der Großen Hofsynagoge (Großhofschul) hervor. Alles sprach dafür, daß der Brand gelegt worden war. Binnen kurzer Zeit stand die ganze Zigeunergasse in Flammen, die auch die Zigeunerschul und die Alte Synagoge erfaßten und die übrigen Teile des Ghettos gefährlich bedrohten. Auch die nahegelegenen Häuser der Christenstadt wurden ein Opfer des vernichtenden Elementes. Das Resultat dieser schrecklichen Mainacht war, daß in der Judenstadt 190 Häuser vernichtet waren. Von Christenhäusern brannten 82 nieder.8 Nach anderen Berichten brannte die ganze Judenstadt bis auf 28 Häuser4 157