Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 155)
- Language
- German
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einen Kosten Voranschlag festgesetzt werden müsse, so sei es des Kaisers Wille, daß die Kommission hierüber mit dem Altstädter Magistrat und durch diesen auch mit den Prager Judenältesten weiter verhandeln solle, doch mit der erforderlichen Behutsamkeit wegen der Infektionsgefahr. Den Juden solle „zu ihrer etwelchen Aufrichtung" dargelegt werden, daß sie ihre Häuser frei verkaufen, den Tandelmarkt weiter behalten und die „Christen gewölber", worin sie jetzt ihre infizierten Waren hätten, bis auf weitere Verordnung würden benützen können, um sie durch diese Versprechungen zur Bestreitung der zur Herstellung der Baracken erforderlichen Kosten zu bewegen. Sollten jedoch die Juden dazu nicht zu bewegen sein, so solle die Kommission mit dem Altstädter Magistrate darüber beraten und schlüssig werden, wie die erforderliche Summe als Vorschuß aufgebracht (anticipirt) und wie dann dieselbe von den Juden wieder eingefordert und eingehoben werden könnte, ob etwa aus dem Erlöse ihrer Häuser im Ghetto, die dann zum Verkauf kommen würden oder aus einigen ihrer sonstigen Einnahmen und Besitztümern; darüber möge dem Kaiser ehestens ein Bericht erstattet werden. Was den Vorschlag betreffe, die Juden vorläufig in den in der Prager Umgebimg liegenden Dörfern unterzubringen, so hätte der Kaiser zwar dagegen nichts einzuwenden und hätte auch kein Bedenken, sich mit einem Schreiben an den Fürsten Lichtenstein zu wenden. Da jedoch die Antwort des Fürsten wahrscheinlich nicht so schnell eintreffen würde, andererseits die Entfernung der jetzt im Ghetto eingesperrten Juden aus Prag „keinen längeren Aufschub leiden tuet", so sei es des Kaisers Wille, daß dieselben, welche nach der Reduktion nur ein Drittel der Zahl der gegenwärtigen Bewohner des Ghettos ausmachen werden, auf kurzem Wege (breviore compendio) „ohne längeren Anstand" abgeschoben werden sollen. Über Auftrag der kaiserlichen Kommission (siehe Seite 146f.) bestellte der Altstädter Magistrat einen besonderen Ausschuß, bestehend aus dem Primator und den Ratsherren Dirixen, Reyßmann, fiasne, Johann Sachs und Johann Jäger, welcher gemeinsam mit den „Stadtamtsleuten" für die schleunige Herrichtung der Baracken, die Absteckimg des Baugrundes und den Entwurf des Grundrisses für die zu erbauenden Häuser zu sorgen hätten. Die Baumeister Canivella und Gaudens Casanova erklärten sich bereit, die Grundrißentwürfe unentgeltlich anzufertigen. Am 5. April wurden die Prager Judenältesten, namentlich der Judenprimas Sachsel, vom Altstädter Primator durch den Judenprokurator Elias Liebele, der als einziger Jude täglich den freien Zutritt in das Altstädter Rathaus hatte, um etwaige die Juden betreffende kaiserliche Befehle entgegen zu nehmen, aufgefordert, zu einer festgesetzten Stunde am Nach- 150