Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 153)
- Language
- German
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unvermeidlich; dadurch würden nicht allein die bei dem Gute gelegenen beiden Wirtshäuser, sondern auch die zur Altstädter Pfarrkirche Unserer Lieben Frau ad lacum, dem Hospital St. Pauli und der durch die unlängst entstandene Feuersbrunst sehr ruinierten Kirche Unserer Lieben Frauen Himmelfahrt in Thein und St. Martini gehörigen Wirtshäuser nicht mit Bier versehen werden können, was sowohl der Stadt, als besonders den erwähnten Kirchen und dem Hospital zum empfindlichen Abbruche ihrer Einkünfte gereichen würde und die angefangene Restaurierung der obgenannten Kirche würde ins Stocken geraten. 2. Da die Altstädter in Lieben Mangel an Holz hätten, würden sie den Juden beim Aufbau ihrer Häuser keinen Vorschub leisten können, zumal sie aus dem Eintausch ihrer Grundstücke in Lieben gegen die Judenhäuser des Ghettos keinen Nutzen erhoffen könnten, da diese derart mit Schulden belastet seien, daß diese den Wert der Häuser übersteigen . Auch würden die Judenhäuser in Prag wegen der unbeschreiblichen Unsauberkeit einige Jahre für die christlichen Käufer unbewohnbar sein. Deshalb wünschten die Altstädter nicht einmal in den Besitz derselben zu gelangen, sondern wären wohl zufrieden, wenn jeder Jude sein Haus, wie er es kann und mag, verkaufen würde, „zumal die Juden nicht ein Stadt-, sondern ein Cammer-Gut" seien und also sie (die Altstädter) soviel an ihnen ist, um der Judenschaft Aufenthalt oder Abschaffung nicht das Geringste zu reden haben. Schließlich erklärten die Delegierten, daß sie die Juden auf ihrem Grund und Boden „gern leiden" möchten, wenn dieselben ihre Häuser aus eigenen Mitteln aufbauen wollten; dazu würden ihnen die Altstädter „außerhalb der Landesstraße" unweit von Lieben, oberhalb des Wofikovskyschen Weingartens einen „gar bequemen Ort" anweisen, wo zum Bau der Häuser ein Steinbruch und auch andere erforderliche Baumaterialien zu finden seien. Der Magistrat würde nichts dagegen einwenden, wenn es dem Kaiser belieben sollte, den Juden den vorgeschlagenen Bauplatz „gleich auf ewig zu privilegieren und vollkommentlich einzuräumen". Die Kommission habe, so fährt der Bericht fort, diesen Vorschlag der Magistratsdelegierten angenommen. Da jedoch die Altstädter den Juden keine Wohnungen zum provisorischen Aufenthalt zur Verfügung stellen könnten, und da dem Kaiser wegen der drohenden Pestgefahr daran gelegen sei, daß die Juden so bald als möglich aus der Stadt entfernt werden, so wäre es ihre Meinung, daß man diejenigen Juden, welche nach dem vom Kaiser bereits genehmigten Reduktionsplane9 in Prag zu bleiben und „das onus et commodum des Königreiches zu tragen und zu genießen" hätten, befragen solle, ob sie eine Ortschaft nennen könnten, wohin sie sich für die Zeit der Pestgefahr begeben wollten. Den- 148