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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1934-01-01 · 6 (1934) · page 151

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
6 (1934)
Date
1934-01-01
Page
– (sequence 151)
Language
German
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IRI
…/2644300-2644315--2555-2646901
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Trotz aller Vorsicht wurde die Seuche durch Wiener Flüchtlinge nach Mähren und gegen Ende Dezember 1679 aus Teltsch nach Neuhaus eingeschleppt, von wo sie sich weiter in Böhmen ausbreitete.4 Anfangs Jänner 1680 kamen im Prager Ghetto einige verdächtige Erkrankungen und Todesfälle vor, doch scheint es, daß sich dieselben in den folgenden Tagen nicht wiederholt haben, da sonst nach der oben zitierten Instruktion der Tandelmarkt geschlossen worden wäre, während er noch am 1. März geöffnet war und nur für diejenigen Juden gesperrt wurde, die dort keinen Laden besaßen .5 Prag blieb anfänglich von der Seuche verschont, doch kam die Gefahr immer näher und bereits im Monat März gab es in den Prager Städten einige Pesterkrankungen. Diesen Umstand benützten die Gegner der Juden, um den Kaiser zu radikalen Maßnahmen gegen die Prager Juden zu bewegen. Schon lange war es der sehnlichste Wunsch der christlichen Kaufleute in Prag, sich der Juden, die ihnen die schärfste Konkurrenz machten, zu entledigen; deshalb hatten sie oft Schritte unternommen, um die Ausweisung der Juden aus Prag zu erwirken.6 Doch scheiterten ihre Bemühungen, weil der Fiskus die von der Prager Judenschaft entrichteten, bedeutenden Steuern und Abgaben nicht entbehren zu können glaubte. Jetzt bot sich ihnen die beste Gelegenheit, ihr Ziel zu erreichen. Von den Fenstern der Burg konnte der Kaiser die Häuser des Ghettos, die auf engem Raum zusammengedrängt waren, sehen. Und dieses Ghetto, so wurde ihm auseinandergesetzt, sei ein wahrer Seuchenherd innerhalb der Stadt und bilde die größte Gefahr für die christlichen Bewohner und jetzt auch für ihn (den Kaiser) selbst und seinen Hof. Es wurde ihm ein Plan vorgelegt, wie die Juden aus der Stadt entfernt werden könnten, ohne daß der Fiskus einen Eintrag an der jüdischen Kontribution erleide. Es sollte das Ghetto von Prag nach dem in der Nähe gelegenen Dorfe Lieben, das der Prager Altstadt gehörte, verlegt werden; dort wohnten bereits Juden und von dort aus könnten die Prager Juden ihre Geschäfte weiter betreiben, sobald der Tandelmarkt in der Altstadt von der Infektion frei und ihnen wieder zugänglich sei; dann könnten sie auch mit Heranziehung der Landjudenschaft ihre Steuern und Abgaben wie bisher entrichten. Dadurch würde die Stadt von der „unerträglichen Unsauberkeit" des Ghettos befreit werden und durch den Tausch ihrer für den Bau jüdischer Häuser erforderlichen Grundstücke in Lieben gegen die Häuser des Ghettos Gewinn erzielen, ebenso wie durch den Absatz von Lebensmitteln aus ihrer Wirtschaft in Lieben. Der Kaiser billigte diesen Plan und am 23. März wurde das kaiserliche Dekret publiziert, wonach das Ghetto aus Prag nach Lieben verlegt werden solle.7 Eine Kommission, bestehend aus dem Grafen Johann 146

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