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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1934-01-01 · 6 (1934) · page 150

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
6 (1934)
Date
1934-01-01
Page
– (sequence 150)
Language
German
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IRI
…/2644300-2644315--2554-2646900
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Der Plan einer Verlegung des Prager Ghettos nach Lieben 1680 Von Rabbiner Dr. Michael Rachmuth Die Pest des Jahres 1680 war eine der schwersten Epidemien, welche die Länder der böhmischen Krone in den vergangenen Jahrhunderten heimgesucht haben. Am ärgsten wütete in diesem Jahre die Pest in den Prager Städten, besonders in der Prager Judenstadt; hier wohnten die Juden, deren Zahl durch Flüchtlinge aus dem flachen Lande sehr zugenommen hatte, auf einen kleinen Raum zusammengedrängt, in überfüllten Häusern, die, ebenso wie viele von Christen bewohnte Häuser,1 allen sanitären Forderungen Hohn sprachen. Hier forderte jede Epidemie zahlreiche Opfer. Zu Beginn des Jahres 1680 waren die Juden nicht nur von der Pest bedroht, sondern auch von einer Gefahr, die als Folge der Pest nur die Juden betraf, von der Gefahr der Vertreibung aus der Prager Judenstadt, in der ihre Vorfahren seit Jahrhunderten gelebt hatten. Es sei erwähnt, daß schon im Sommer 1679 die Pest aus Ungarn nach Wien und Niederösterreich eingeschleppt worden war, daß zahlreiche Personen nach Mähren und Böhmen geflüchtet waren und daß im August auch Kaiser Leopold I. mit seinem Hofe Wien verlassen und sich nach Prag begeben hatte, wo er in der Burg auf dem Hradschin Aufenthalt nahm. Dieser Umstand trug sehr viel dazu bei, daß die Behörden mit besonderem Eifer Vorkehrungen trafen, um das Einschleppen der Seuche nach Prag zu verhindern. Es wurde eine Sanitätskommission eingesetzt und strenge Verfügungen betreffs Reinigung der Straßen und Fernhaltung verdächtiger Personen von der Stadt Prag erlassen. Diese Maßnahmen richteten sich mit besonderer Schärfe gegen die Prager Juden,2 denen auch angedroht wurde, daß ihnen der Handel mit den Christen verboten werden solle, sobald unter ihnen irgend eine verdächtige Erkrankung vorkommen sollte. Um die bei einer Epidemie besonders gefährliche Überfüllung des Ghettos zu verhindern, wurde eine Verringerimg der Zahl der Juden ins Auge gefaßt; es wurde eine Reduktionskommission eingesetzt und diese ließ durch die Judenältesten eine Konskription aller Juden, die das zehnte Lebensjahr überschritten hatten, vornehmen. Alle fremden Juden und auch diejenigen Prager Juden, die keine Aufenthaltsbewilligung vorweisen konnten, sollten ausgewiesen werden .3 145

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