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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1934-01-01 · 6 (1934) · page 94

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
6 (1934)
Date
1934-01-01
Page
– (sequence 94)
Language
German
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IRI
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war, wie ich nachträglich sehe, schon Steinschneider bekannt, der sie in der Zeitschrift für hebräische Bibliographie 17 (1914), S. 128, unter Nr. 806 angegeben hat. Das ImmatrikulationsprivUegium für Aron Gordon, datiert Padua, den 7. März 1692, ist mit dem vollen Wortlaut abgedruckt bei Warchal (oben Anm. 120), S. 68 Anm. 1. § 48. Zur Zeit des Gaon R. Mosche Krämer war der große Gelehrte und berühmte Arzt R. Doktor Aron Gordon, der in Padua Medizin studiert hatte, wie alle Gelehrten in Polen es zu tun pflegten, die diese Wissenschaft studieren wollten. Denn die Universitäten [bäte midrasch hachochmot] in Polen und Litauen waren den Juden verschlossen. Als er nach seiner Heimat zurückkehrte, erwarb er sich durch seine Wissenschaft einen Namen und wurde Leibarzt bei dem König von Polen. Weil ihn der König so schätzte, machte er seine Familie zu freien Juden und erteilte [ihm und] seinen Nachkommen die Erlaubnis, in den Straßen Wilnas zu wohnen, wo sonst keine Juden wohnen durften. Seine Lebensgeschichte ist uns nicht bekannt. Nur eines habe ich gehört von dem großen Raw R. Israel Gordon, seligen Andenkens, Rabbiner in Wilna, einem Nachkommen des R. Aron. Ich hielt dies für wissenswert: Als R. Aron seine Studien in Padua beendigt hatte, ist er zu Schiff in seine Heimat zurückgekehrt. Da erfaßte ein Sturm das Schiff und trieb es an die spanische Küste. Das Schiff zerschellte, und er rettete sein nacktes Leben. Als er den Boden Spaniens betrat, das die Juden vertrieben und jedem Juden bei Todesstrafe den Aufenthalt verboten hatte, da gab sich R. Aron nicht als Jude aus und wanderte im Lande umher, um sein Leben zu erhalten. Da kam er in eine der Städte des Landes und verweilte dort einige Tage. Es war kurz vor dem Passahfeste, und es bestand keine Aussicht, in dieser Stadt Mazzot zu bekommen. Da erinnerte er sich der zahlreichen in Spanien lebenden Marranen, und er suchte, einen ausfindig zu machen, um sich ihm zu erkennen zu geben. Er stellte sich am Rüsttage des Passahfestes auf den Gemüsemarkt, um zu sehen, ob jemand käme, um von den Kräutern zu kaufen, die zum Seder benützt werden. Da fuhr eine Kutsche vor, wie sie die Vornehmen der Stadt haben, blieb stehen, und ein Mann von ehrwürdigem Aussehen stieg aus und befahl seinem Diener, ihm Kräuter zu kaufen. R. Aron verfolgte die Spuren der Kutsche, und diese hielt vor einem großen Palast. Viele Diener gingen hier aus und ein, wie in den Palästen der Vornehmen. R. Aron trat an das Tor und bat die Diener, ihrem Herrn mitzuteilen, [daß ihn jemand sprechen möchte. Der Herr des Hauses ließ ihn eintreten]. Als er eintrat, sagte er zu ihm: „Ich vertraue Dir mein Leben an, damit auch Du mir Dein Leben anvertrauen kannst. Ich bin Jude, auch Du bist Jude, wie ich selbst, und den Gott des Himmels fürchtest Du gleich mir. Heute ist der Rüsttag des Passahfestes. Verpflege mich an Deinem Tische, damit ich nicht Hungers sterbe". Da schrie ihn der Herr wiederholt an, bis er ihm bei Gott geschworen hatte, daß die Sache nicht verraten werden solle. Darauf gab er sich ihm zu erkennen. Am Abend führte ihn der Herr des Hauses in unterirdische prächtige Gemächer. Die waren für das Passahfest vorbereitet und geheim gehalten. Der Tisch war gedeckt nach Vorschrift des Seders und mit ihm war nur seine Frau und sein ältester Sohn. Denn auch vor seinen anderen Kindern hielt er geheim, daß er Jude ist, da er sie noch nicht für vertrauenswürdig hielt, ihnen dieses Geheimnis zu offenbaren. Der R. Gordon verbrachte mit ihm die ganzen Festtage und noch einen Monat darauf. Sodann mietete dieser Marrane ihm einen Platz auf einem Schiff, damit er in sein Land zurückkehren könnte, und stattete ihn mit Geschenken und den Kosten der Reise aus. - Im Wohltätigkeitsbuch fand ich die Unterschriften seiner Söhne unter den anderen Zedaka-Vorstehern und diese sind: Jechiel Michal, Sohn des Aron Doktor aus Wilna, Gott erhalte ihn, im Jahre 5466 und 67 [1706/7]; Salomon Salmann, der Sohn meines Vaters R. Aron Doktor, Gott erhalte ihn, im Jahre 5477 [1717]. Hieraus geht hervor, daß R. Aron Gordon Arzt in der Stadt war und noch im Jahre 5477 gelebt hat. Über die Beziehungen der Juden zur Universität Wilna liegt ein neuerer Aufsatz vor, auf den hier hingewiesen sei: Pinchas Kon, Dawny universytet Wilenski 89

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