Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 90)
- Language
- German
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den will, nicht erst seine Tage in einem christlichen Studio [auch im hebräischen Original: „studio"] bei sündhafter Vernachlässigung der Thoraforschung zuzubringen braucht. Er wird nach und nach das Erforderliche lernen und alsdann nach kurzem Aufenthalt im Studio zur Ordination gelangen, worauf er sich in die Praxis [Original: „bepratika"] begeben kann im Verkehr mit geübten jüdischen und christlichen Ärzten. Auch die nicht des Lateinischen Kundigen sollen die Wissenschaften aus hebräischen Übersetzungen, die bereits vorhanden sind, kennen lernen, und sie werden ihre Zeit sparen, denn bei den Wissenschaften kommt es vornehmlich auf die Sache, nicht auf die sprachliche Fassung an, und alles hängt von dem Verständnis ab". S. 172 f.: „Alles Obige habe ich, David, wohlweislich erwogen, um die ersten Männer der Gemeinde zu erwecken, daß sie dazu beitragen, der Thora und der Wissenschaft an einem bestimmten Orte nach obiger Weise eine Stätte zu bereiten, ja noch mehr, eine große Gelehrtenakademie zu errichten mit einem Rektor an der Spitze, welche durch allgemeine Beiträge erhalten werden soll. Denn dies Unternehmen ist ein höchst verdienstliches, das alle Angehörigen unseres Volkes unterstützen sollten, damit es möglichst vollkommen ausgeführt werde, und zahlreiche Gelehrte, jeder in seinem Fache, sich dabei beteiligen können". Über den Erfolg des vorstehenden Sendschreibens ist freilich nichts bekannt und danach wohl zu vermuten, daß es ohne Erfolg gebheben ist. Trotzdem ist es interessant, das geistige Milieu kennenzulernen, aus welchem das Sendschreiben hervorgegangen ist. 1*9 Pick, Prag und Montpellier, Sudhoffs Archiv für Geschichte der Medizin 16 (1925), S. 157 ff. 120 D'Jrsay, a. a. O., S. 129f.; Heinrich Denifle, Die Entstehung der Universitäten des Mittelalters bis 1400, Berlin 1885, S. 277ff.; Pick, Jessenius, S. 4ff.; Gustav C. Knod, Oberrheinische Studenten im sechzehnten und siebzehnten Jahrhundert auf der Universität Padua, Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins N.F. 15 (1900), S. 197ff.; Neuburger, S. 342ff., 418ff., 455ff. und passim. Quellennachweis bei Wilhelm Fälckenheiner, Universitätsmatrikeln, Göttingen 1928, S. 22 f. Insbesondere über das Studium jüdischer Ärzte in Padua: Jewish Encyclopedia 9, S. 459 f.; Landau, S. 59 f.; Antonio Ciscato, Gli Ebrei in Padova, Padua 1901, S. 213-221; Krauss, Ärzte, S. 83 ff., 25, 67, 73, 81,125,142; Adler, JJLG. 19 (1928), S. 245; David Kaufmann, Gesammelte Schriften, 3. Bd., S. 282 ff., 286 ff.; Horovitz, Jüdische Ärzte in Frankfurt am Main, S. 13, 26; Eschelbacher, Die Anfänge allgemeiner Bildung, Philippson-Festschrift, S. 169 f.; Krauss, Die Wiener Geserah, S. 155. Über das Studium von Juden aus Polen in Padua liegen bereits erschöpfende Publikationen vor, wie solche über die jüdischen Medizinstudenten aus Deutschland leider noch fehlen, nämlich: L. Lewin, Jüdische Ärzte in Großpolen, JJLG. 9 (1912), S. 378 f.; Lewin, JJLG. 14 (1921), S. 228; Ks. Jan Warchal, 2ydzi polscy na Universytecie padewskim [Juden aus Polen an der Universität Padua], Kwartalnik poswiecony badaniu przeslosci Zydöw w Polsce Band 1, Heft 3 (Warschau 1913), S. 37-72, wertvoll durch das reiche urkundliche Material; Majer Balaban, Die Judenstadt von Lublin, Berlin 1919, S. 25-27; Balaban, Herz Homberg in Galizien, Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur 19 (1916), S. 192. Über den Studiengang und die akademischen Grade in Padua Neuburger, S 342ff., 459ff., 472; das Paduaner Promotionsprotokoll betreffend den nachmaligen Posener jüdischen Arzt Dr. Moses Lima v. J. 1639 bei Kaufmann, Gesammelte Schriften, 3. Bd., S. 284f.; Immatrikulationen und Promotionsprotokolle bei Warchal, a. a. O., S. 60-72; daselbst S. 71, Anm. 1 auch die jüdische Eidesformel; Nachweise von Paduaner Doktordiplomen für Juden: Anzeiger für Kunde der deutschen* Vorzeit 4 (1857), S. 295, Nr. 773; Wachstein, weiter unten Anm. 148; Eschelbacher, a. a. O., S. 169, Anm. 1; Adler, JJGL. 19 (1928), S. 245. 121 Die Universität Paris, gegründet etwa 1150, nahm keine jüdischen Studierenden auf, ebensowenig die deutschen Universitäten. Sogar in Montpellier haben sich die Verhältnisse für jüdische Studierende nach der Vertreibung der 85