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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1934-01-01 · 6 (1934) · page 72

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
6 (1934)
Date
1934-01-01
Page
– (sequence 72)
Language
German
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IRI
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sophischen Studiendirektorats und des philosophischen Professorenkollegiums. Die übereinstimmende Äußerung lautete dahin, Wessely möchte zum ordentlichen Professor der Philosophie ernannt werden. Seine „vollständige Zuziehung zur Universität wäre umso mehr im Interesse der Wissenschaft, als die hiesige Hochschule durch seine Aquisition nur gewinnen und um einen wahrhaft gelehrten Mann mehr bereichert würde". Gleichzeitig wurde beantragt, Wessely von dem ihm keineswegs mehr angemessenen Amt eines Religionslehrers an der jüdischen Normalschule zu entheben. Bereits am 3. September 1849 erging die vom österreichischen Unterrichtsminister Grafen Leo Thun unterzeichnete Mitteilung an das böhmische Landesgubernium, daß Wessely vom Kaiser zum außerordentlichen Professor der hebräischen und rabbinischen Sprache und Literatur an der Prager Universität mit einem jährlichen Gehalte von 600 fl. ernannt worden sei. Diese Berufung erregte namentlich in Deutschland berechtigtes Aufsehen. 1851 folgte seine Ernennung zum außerordentlichen Professor des Strafrechts und des Strafverfahrens an der rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät in Prag mit einem Gehalt von 1200 fl. und mit der Verpflichtung, auch an der philosophischen Fakultät Vorträge über hebräische Sprache und Literatur zu halten. Neuerliche Angriffe der jüdischen Talmudgelehrten in Prag, die Wesselys staatliche Stellung zu erschüttern strebten, blieben wiederum ohne Erfolg. 1861 wurde er zum ordentlichen Professor befördert, welches Amt er bis an sein Lebensende im Jahre 1870 bekleidete. Die ungewöhnliche Verbindung des geltenden Strafrechts und Strafprozesses mit der Lehre der hebräischen Sprache und rabbinischen Literatur, der wissenschaftlichen Entwicklung und Gelehrtennatur Wesselys vollkommen entsprechend , sind wohl nie wieder an einer Universität vorgekommen. Die interessante, zweifellos außerordentlich geniale Persönlichkeit Wesselys,- seine Vorschläge sind bei der Einführung der Schwurgerichte in Österreich bestimmend geworden, - sowie sein Lebenswerk würde eine eingehende biographische Darstellung und Würdigung verdienen.389 Hier konnte nur seine bahnbrechende Leistung für die Zulassung der Juden zum akademischen Lehramt an der Prager Universität und überhaupt in Österreich sowie für die Gründung der Prager orientalistischen Lehrkanzel betrachtet werden. Während Wessely auf außerordentlichem Wege zur akademischen Laufbahn gelangt war, ist der Prediger der Prager Tempelgemeinde Dr. phil. Saul Isaak Kaempf (1813 bis 1892)390 der erste Jude gewesen, welcher sich nach der allgemein üblichen Weise durch Vorlegung wissenschaftlicher Arbeiten, Bestehen eines Kolloquiums und Abhaltung einer Probevorlesung als Privatdozent an der Prager Universität habilitiert hat. Ende Oktober 1849 reichte Kaempf, der in Halle, damals ein Mittel- 67

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