Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 73)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2644300-2644315--2477-2646823- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
punkt orientalistischer Forschung und Lehre, studiert hatte und Schüler des berühmten Orientalisten und Lexikographen Wilhelm Gesenius (1786 bis 1842)391 gewesen war, bei der philosophischen Fakultät ein Gesuch um Zulassung als Privatdozent für alt- und neuhebräische Sprache und Literatur ein. Am 6. Dezember fand vor versammelter Fakultät ein Kolloquium statt, bei welchem der Domkapitular Professor Dr. Johann Mar an, Professor Dr. Eduard Petr und Professor Dr. Wolfgang Wessely als Prüfer fungierten. Dem Kandidaten wurde auf Grund der Erklärung der Examinatoren „wohl eine hinlängliche Kenntnis der althebräischen Sprache und deren Verhältnis zu den verwandten Dialekten beurkundet", jedoch gleichzeitig festgestellt, daß er „aus der neuhebräischen Sprache und Literatur keine genügenden Beweise seiner Kenntnis geliefert habe". Trotzdem ist Kaempf später der anerkannte Entdecker, Bearbeiter, Übersetzer und Erklärer neuhebräischer Dichtungen geworden. Am 20. Dezember 1849 hielt er seine Probevorlesung: „Über die verschiedenen Arten biblischer Interpretation, durch Beispiele erläutert". Das Protokoll der philosophischen Fakultät berichtet darüber: „Der Herr Kandidat betrat heute um 4 Uhr nachmittags die Lehrkanzel und hielt über das eine der ihm gegebenen Thematen durch 35 Minuten eine freie mündliche Vorlesung, wobei er ein kräftiges Sprachorgan, gute Betonung, gehöriges Tempo, anständige Körperhaltung und logische Ordnung im Vortrag, kurz alle jene Eigenschaften bewährte, welche zu einem guten mündlichen Vortrag erfordert werden, weshalb sich daher auch die gefertigten k. k. Herren Professoren der Philosophie bewogen fanden, denselben rücksichtlich seines mündlichen Vortrags für die angesuchte Dozentenstelle als vollkommen geeignet zu erklären". Kaempf erhielt die venia legendi für althebräische Sprache und Literatur und die damit verwandten übrigen orientalischen Sprachen. 1860 erfolgte seine Ernennung zum außerordentlichen Professor. Nach den beiden ersten jüdischen Universitätsprofessoren Wessely und Kaempf gelang es einer Anzahl von jüdischen Gelehrten, infolge ihrer ausgezeichneten wissenschaftlichen Leistungen die Lehrberechtigung zu erhalten, bloß wenigen besonders hervorragenden Männern sind ordentliche Professuren an der Prager Universität zuteil geworden. Erwähnt seien nur noch als erste jüdische Lehrer in der medizinischen Fakultät der Privatdozent der Homöopathie Dr. Elias Altschul (1797 bis 1865)392 und an der tschechischen Universität der ordentliche Professor des österreichischen Strafrechtes und Strafprozesses Dr. Alois Zucker (1842— 1906).393 Vollständig die Namen der jüdischen Professoren aufzuzählen, die an der Prager Hochschule gewirkt haben und wirken, sowie ihr wissenschaftliches Lebenswerk zu würdigen, fällt nicht mehr in den Rahmen dieser Darstellung.394 68