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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1934-01-01 · 6 (1934) · page 69

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
6 (1934)
Date
1934-01-01
Page
– (sequence 69)
Language
German
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IRI
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nunmehr dem Direktorate der philosophischen Studien, also der philosophischen Fakultät der Universität, zu. Sie erklärte die Tendenz des Bittstellers als löblich, seinen Eifer zur Verbreitung der Wissenschaft als rein und frei von jeder Parteilichkeit, die Errichtung des geplanten Lehrinstituts und einer außerordentlichen Lehrkanzel für hebräische Sprache und rabbinische Literatur als „wirklich zweckdienlich und wünschenswert". Dem Studiendirektorat sei unter sämtlichen Juden in Prag keiner bekannt, „der, mag man auf die nötigen Vorstudien, wissenschaftliche Ausbildung, Kenntnisse und Gelehrsamkeit und literarischen Ruf oder auch die Unbedenklichkeit der religiösen und politischen Grundsätze, Toleranz und Parteilosigkeit, sowie endlich auf einen anerkannten gediegenen moralischen Charakter die gehörige Rücksicht nehmen, für das angesuchte außerordentliche Lehramt sich in einem so hohen Grade eignen möchte als der Bittsteller Dr. Wolfgang Wessely". Er sei nach seinen Gymnasial-, philosophischen und juridischen Studien, nach elfjährigem Studium der hebräischen Sprache, des Talmuds und der rabbinischen Literatur und als langjähriger Religionslehrer, welcher sich mit ausgezeichneten Zeugnissen von Wolf Mayer, Herz Homberg, des Berauner Kreisrabbiners und Talmudlehrers Juda Schlesinger und der Prager jüdischen Oberjuristen Samuel Kauder und Samuel Freund ausweisen könne, zweifellos der geeignete Mann, der sich überdies in der wissenschaftlichen Welt eines anerkannten Rufes erfreue. Es sei deshalb befremdlich, daß die Prager Oberjuristen und der Rabbiner in ihren Gutachten,-der Oberjurist Freund sogar im Widerspruch mit seinem eigenen früher erteilten Zeugnisse, - Wolfgang Wessely jetzt alle Kenntnisse absprechen. Indes dürfte sich eine Erklärung hierfür leicht darin finden lassen, daß es sich insgesamt um Persönlichkeiten ohne Studien und höhere wissenschaftliche Bildung handelt, die nicht die nötigen Kenntnisse besitzen, um die wissenschaftliche Bedeutung eines Gelehrten zu beurteilen, wie das nicht einmal in richtiger deutscher Sprache abgefaßte Gutachten des Samuel Freund beweise. Vielleicht fürchten diese Männer auch, so führt das philosophische Studiendirektorat aus, durch die Errichtung des geplanten Lehrinstituts selbst an Ansehen einzubüßen und dürften aus dem Grunde wohl gar nicht den guten Willen haben, ihre wahre Meinung über den Nutzen einer solchen Einrichtung zu äußern, schließlich seien ihre Darlegungen von Parteisucht, persönlicher Abneigung und Rivalität gegen Wessely getragen, sie entbehrten überhaupt jeder Motivierung, weshalb ihnen keine Bedeutung beigemessen werden könne. Der Ansicht der philosophischen Fakultät schloß sich das ebenfalls vom Landesgubernium befragte fürsterzbischöfliche Konsistorium vollinhaltlich an, obwohl es durch Rückfrage bei dem Direktor der Prager Israeliten-Hauptschule Markus Winternitz seinerseits die Akten um eine 64

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