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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1934-01-01 · 6 (1934) · page 60

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
6 (1934)
Date
1934-01-01
Page
– (sequence 60)
Language
German
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IRI
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Republik in Prag.355 Es bildet eine wertvolle Quelle für die Personen- und Familiengeschichte der Juden in Böhmen. An dieser Stelle interessiert daraus bloß die Beobachtung, daß die Prager Universität allein von Juden aus den historischen Ländern der böhmischen Krone besucht worden ist. Dagegen sind Prager Juden an der Wiener Universität anzutreffen, wo uns bereits unter den ersten an der medizinischen Fakultät promovierten jüdischen Doktoren Isaak Jeitteles und Nathan Pisling, beide aus Prag, begegnen.356 Mit der Zulassung der Juden zu den Universitäten in Österreich hörte jedoch das früher übliche Studium im Auslande auf, zumal einem solchen die Regierung durch energische Maßnahmen entgegentrat ,357 Der erste jüdische Doktor, den die Prager Universität kreierte, ist ein Mediziner namens Beer Joss aus Prag gewesen.358 Nachdem er die Prüfung „aus dem praktischen Fach der Arzneikunde" zunächst „nicht allerseits wohl bestanden" hatte, unterzog er sich am 24. Oktober 1787mit Erfolg einer Wiederholung und wurde, „da er genügte, zur Behandlung der Kranken und somit zur Promotion zugelassen". Sie fand am 23. Januar 1788 statt. Über die formalen Vorgänge und sonstigen Begleitumstände, welche dem feierlichen Akt vorausgingen, sind wir genau unterrichtet. Denn sie spielten anläßlich der zweiten Promotion eines Juden an der Prager Universität eine große Rolle, als nämlich zum ersten Mal ein jüdischer Kandidat bei der juristischen Fakultät die Doktorwürde erstrebte. Im November 1790 sollte Raphael Joel aus Wolin in Böhmen, der Schwiegersohn des Prager jüd. Gemeindearztes Dr. Abraham Kisch,359 nach bestandenen Prüfungen zum Doctor juris civilis promoviert werden. Indes wurden dem von verschiedenen Seiten Schwierigkeiten bereitet. Zunächst seitens der Prager Advokaten. Ein ansehnlicher Teil der Prager Doctores juris und Advokaten als wirkliche Mitglieder der juridischen Fakultät überreichten dem Kaiser eine Bittschrift, in welcher sie gegen Joels Promotion Stellung nahmen 360 Zur Begründung des Ansuchens, „keinen Juden zur Doktorswürde, viel weniger zum Amt eines Landesadvokaten zuzulassen", wurde darin ausgeführt: „Eine solche Promotion eines Juden sei wider das Institut der Prager Universität. Es sei auch kein Beispiel vorhanden, daß eine dergleichen Promotion an einer anderen Universität je geschehen sei. Weiters seien die Juden von der persönlichen Erscheinung bei der königlichen Landtafel und aller Einsicht der Quaternionen ausgeschlossen. Das Reskript vom 1. Julius 1731 verbiete ihnen bei christlichen Instanzen wider einen Christen als Rechtsfreund zu dienen und die allgemeine Gerichtsordnung erkläre § 142 die Juden ungeachtet der eingeführten Toleranz als bedenkliche Zeugen wider einen Christen. Wenn sie nun nach erhaltener Doktorswürde auch als Advokaten 55

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