Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 59)
- Language
- German
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es ohne Zweifel nicht anders gewesen. Denn hier blieb die Zahl der Universitätsstudenten und promovierten Doktoren jüdischen Glaubens spärlich, ehe sich der Zwang zum Besuch der Normalschulen und sein Einfluß auf die weitere regelmäßige Gestaltung des allgemeinen geistigen Ausbildungsganges bei den Juden entsprechend auswirken konnte. Für das Jahr 1781 ist in den Prager Universitätsmatrikeln nur der Name eines einzigen Juden zu finden, des „stud. logic." Ignaz Adler aus Techobuz,349 dessen späteres persönliches Schicksal sich der urkundlichen Beobachtung entzieht. Ebenso ist in den folgenden Jahren und Jahrzehnten bis zur Mitte des neunzehnten Jahrhunderts die Zahl jüdischer Studenten an allen Fakultäten der Prager Universität, die ihnen zugänglich waren, außerordentlich gering geblieben.350 Diese Feststellung gilt nicht bloß in absoluter Beziehung, sondern auch für die relative Betrachtung, wenn man etwa die Zahl der Prager Juden in Vergleich zieht, die im achtzehnten Jahrhundert vor 1782 an den Universitäten Halle und Frankfurt an der Oder die medizinische Doktorwürde erlangt hatten 351 Sie ist in den Jahren 1721 bis 1776352 zweifellos bedeutend größer gewesen als die Anzahl der in dem ungefähr gleichen Zeitraum von 1782 bis 1827353 in Prag promovierten Juden. Das zahlenmäßige Bild verschiebt sich sogar noch weiter zu Ungunsten des Studiums der Juden in Prag, wenn man bedenkt, daß ihnen hier nunmehr der Zugang zur juristischen und philosophischen Fakultät offenstand, während sich die vor 1782 im Auslande erfolgten Promotionen ausschließlich auf die Heilkunde beschränkten. Die Aufstellung genauer Statistiken über das Studium der Juden an der Prager Universität während des ersten halben Jahrhunderts seit ihrer Zulassung ist wegen Unzugänglichkeit des Universitätsarchivs zur Zeit nicht möglich. Abgesehen davon wäre sie aus den früher angegebenen Gründen354 schwierig und zeitraubend, weil für die jüdischen Studierenden besondere Verzeichnisse nicht geführt wurden und ihren Namen in den Matrikel- und sonstigen amtlichen Büchern der Zusatz „Hebraeus" oder „Israelite" nur in den ersten Jahren nach der allgemeinen Zulassung exakt beigefügt ist, während er später zumeist fehlt. Für die Zwecke der vorliegenden Arbeit genügt es aber, hier die gleiche Methode zur Anwendung zu bringen, mittels welcher das Studium der Prager Juden an den Universitäten Frankfurt an der Oder und Halle untersucht worden ist, nämlich die Heraushebung derjenigen, die ihre Studien mit der Erlangung des Doktorgrades zum Abschluß gebracht haben. Ein Verzeichnis sämtlicher Juden, die während des Jahrhunderts von ihrer allgemeinen Zulassung zum Universitätsstudium in Österreich im Jahre 1781 bis zur nationalen Universitätstrennung im Jahre 1882 an der Prager Universität promoviert worden sind, befindet sich handschriftlich im Besitze der Gesellschaft für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakischen 54