Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 58)
- Language
- German
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schulen, wie man sie damals nannte, ihre Tore allgemein noch nicht geöffnet hatten. Daß jüdische Universitätsstudenten oder Doktoren schon eine regelmäßige Schulbildung besaßen, kam wohl nur in ganz seltenen Ausnahmsfällen vor.343 Deshalb war es folgerichtig und entsprach durchaus den Intentionen Kaiser Josefs II., der jüdischen Jugend den regelmäßigen Ausbildungsgang auf den Gymnasien und sonstigen öffentlichen Schulen zu gestatten:344 „Ich wäre nicht ungeneigt, ihren Kindern die Frequentierung der schon bestehenden öffentlichen Schulen nicht allein zu gestatten, sondern wären selbe auch dazu anzuhalten". In den Toleranzpatenten für die verschiedenen Länder wurde „den die Normal-, Real-, lateinische oder höhere Schulen besuchenden Judenkindern das Wohnrecht bei Christen in den privilegierten königlichen und anderen Munizipalstädten und ihren Eltern das Besuchsrecht" gestattet.345 Die Vorschriften für Gymnasiallehrer über die Behandlung jüdischer Schüler, deren Ziel es war, ihnen jede Zurücksetzung und Kränkung fernzuhalten, bilden ein ehrenvolles Blatt in der Geschichte der Kultur und Humanität in Österreich.346 Trotzdem berichtete noch der Verfasser der „Beobachtungen in und über Prag, von einem reisenden Ausländer" im Jahre 1787-347??Hier sind noch keine Beispiele, daß Juden ihre Kinder, ausgenommen bei der Universität, in andere öffentliche Schulen geschickt hätten, wie man doch in verschiedenen anderen österreichischen Städten findet". IX. DIE ERSTEN JÜDISCHEN DOKTOREN DER PRAGER UNIVERSITÄT Sind von Kaiser Josef II. in der geschilderten Weise die Rechtsgrundlagen geschaffen worden, durch welche den Juden Hochschulstudium und Erlangung der akademischen Grade in der juristischen und medizinischen Fakultät nun einwandfrei gestattet waren und von den unteren Instanzen oder Hochschulbehörden nicht versperrt werden konnten, so wurde während seiner Regierungszeit und überhaupt während der ersten Jahrzehnte der Geltungsdauer dieser Gesetze seitens der Juden wenig Gebrauch von ihnen gemacht. In den strenggläubigen jüdischen Kreisen verhielt man sich allenthalben gegen die moderne Universitätsbildung noch immer mißtrauisch und entschieden ablehnend .348 Da sich nämlich in der Praxis vielfach zeigte, daß moderne Bildung meist zur Assimilation und Irreligiosität führte, glaubte man, derartigen Folgeerscheinungen am besten dadurch hegegnen zu können, daß man alles profane Bildungswesen als die Ursache einer solchen Entwicklung bekämpfte. In Prag ist 53