Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 44)
- Language
- German
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befindlichen Ärzte, Barbierer, Apotheker etc." ehestens einzureichen, „auf daß man solchem Decreto nachkommen und einen nach dem anderen examinieren möge".265 Die Judenältesten scheinen die geforderte Konsignation, die sich aber nicht bei den Akten befindet, alsbald eingereicht zu haben. Denn das Sitzungsprotokoll vom 2. Oktober 1705 meldet bereits, daß „dem Salomon Gumpertz, jüdischen Medico und denen zwei Apothekern Wolff Löbl und Wolff Hersehl auferlegt worden ist, daß der Medicus seine Documenta promotionis erweisen, die Apotheker aber, wo sie ihre Kunst gelernet und von wem approbieret worden, docieren sollen" ,266 Gumpertz legte sogleich sein Doktordiplom von der Universität Leiden vor, was anscheinend als genügend erachtet wurde, die Apotheker erhielten eine achttägige Frist gewährt.266 Auch die Behandlung des Falles des jüdischen Arztes Dr. Herz Wallich, der im Jahre 1706 plötzlich in Prag auftaucht und ohne Berechtigung zu praktizieren beginnt, wirft ein Licht auf die Verhältnisse in der Prager Judenstadt und auf die Auffassungen, die damals über die Regelung derartiger Fragen bei der medizinischen Fakultät bestanden. Naphtali Herz Wallich aus Frankfurt am Main,267 der berühmten Ärztefamilie Wallich, die den Ärzteberuf in Metz schon früher ausgeübt hatte, entstammend, war auf die Nachricht, daß Dr. Salomon Gumpertz daselbst als Gemeindearzt in Aussicht genommen sei, anfangs der neunziger Jahre des siebzehnten Jahrhunderts nach Metz geeilt, um dort schleunigst seinerseits eine ärztliche Tätigkeit zu eröffnen. Zwischen den beiden Konkurrenten entspann sich ein Streit, der alsbald die ganze jüdische Gemeinde in zwei feindselige Lager teilte, welche trotz aller Schiedsversuche die Waffen nicht strecken wollten. Dr. Salomon Gumpertz, der sich infolgedessen in Metz nicht behaglich fühlen konnte, verlegte nach einigen Jahren seine Berufstätigkeit nach Prag, wo er bald festen Fuß faßte.268 Nun zog ihm 1706 Herz Wallich, der alte Rivale, von Metz nach Prag nach, um hier von neuem zu versuchen, seine Kreise zu stören und eine wilde Praxis zu beginnen. Ende September 1706 wurde er deshalb von der medizinischen Falkutät wiederholt verwarnt; sie drohte zwangsweises Vorgehen gegen ihn an.269 Durch das neuerliche unfaire Auftreten und die unlautere Konkurrenz Wallichs wurde der rechtmäßige Prager jüdische Gemeindearzt Dr. Salomon Gumpertz auf den Plan gerufen. Schon im August 1706 hatte er gegen Wallich bei der Statthalterei eine Beschwerde eingereicht, welche von dieser der Fakultät zur Äußerung übermittelt worden war.270 Das Gutachten lautete dahin, daß bei der starken Bevölkerungsvermehrung und in Anbetracht der dichten Siedelung in der Judenstadt die Aufnahme mehrerer jüdischer Ärzte nicht nur nützlich, sondern sogar hochnotwendig wäre, weil bei etwaiger Entstehung einer Epidemie ein einziger Judenarzt den Anforderungen 39