Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 41)
- Language
- German
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den deutschen Universitäten, wie sich nachweisen läßt, auch Zuzug von christlichen Studenten und Doktorkandidaten aus dem Auslande.251 Für die geistige Entwicklung der Juden und für die Gestaltung ihrer Stellung in der nichtjüdischen Umwelt hat sich die kleine Anzahl jener akademisch Gebildeten höchst bedeutsam erwiesen. Nicht weniger trifft für die Prager Juden zu, was für die Juden in Deutschland allgemein beobachtet wurde.252 Die „Aufklärung" unter ihnen hat nicht erst mit Moses Mendelssohn und den Prager Repräsentanten seiner geistigen Richtung eingesetzt, sondern sie beginnt schon mehrere Jahrzehnte vor seiner Geburt. Abraham Kisch aus Prag hat ihm durch den Lateinunterricht auf dem Wege zur weltlichen Wissenschaft und zu seinem künftigen Wirken mit als Führer gedient. Diese „Aufklärung" unter den Juden ist so früh allerdings bloß in einer dünnen Oberschicht verbreitet gewesen. Aus dem Ghetto heraus haben die akademisch gebildeten jüdischen Ärzte, die zuerst an deutschen Universitäten studiert hatten, mit den Weg zur Emanzipation gebahnt, indem sie die Voraussetzungen und Vorbedingungen für die bürgerliche Gleichberechtigung der Juden schaffen geholfen haben. Vom soziologischen Gesichtspunkt aus sind sie ein wichtiges Bindeglied zwischen Juden und nichtjüdischer Umwelt geworden. Sie erfüllten auf sozialem Gebiet eine ähnliche Funktion wie sie auf wirtschaftlichem den Hoffaktoren zufiel. Die Söhne der Prager Judengemeinde stehen bei solchen Bemühungen an Eifer und Erfolgen hinter ihren Glaubensbrüdern in Deutschland nicht zurück. Ihnen gebührt ein rühmlicher Anteil an dieser jüdischen und zugleich allgemeinen Kulturarbeit. Sie haben für ihre engere Heimat einem neuen Zeitalter bei seinem Anbruch die Bahn gewiesen und den Weg bereitet. VII. DIE AUFSICHT DER PRAGER MEDIZINISCHEN FAKULTÄT ÜBER DAS MEDIZINAL- WESEN DER JUDENSTADT IN PRAG An früherer Stelle der vorliegenden Abhandlung ist ausgeführt worden, daß ungefähr dreieinhalb Jahrhunderte seit der Gründung der Prager Universität keinerlei unmittelbare Beziehungen wissenschaftlicher Art zwischen Juden und Hochschule bestanden.253 Nur eine schwache mehr äußerliche Verbindung, die man in gewissem Sinne als eine Durchbrechung dieses Grundsatzes auffassen konnte, bildete die Zensur jüdischer Bücher, welche von der Prager Universität ausgeübt wurde. Von ihr ist bereits die Rede gewesen ,254 36