Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 40)
- Language
- German
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sehen Universitäten bei Durchforschung der Matrikeln und Doktorverzeichnisse böhmische Juden als Studierende und Doktoranden zu finden, dürfte sich kaum als trügerisch erweisen .245 Begegnet man doch mitunter im Schrifttum zur Geschichte der Juden an verschiedenen Orten Deutschlands und des Auslandes jüdischen Ärzten mit akademischer Bildung, von denen allein ihre Herkunft aus Böhmen bekannt ist, ohne daß es bisher gelang, ihren Studiengang und Promotionsort ausfindig zu machen. Das gilt zum Beispiel von dem Doktor Jeremias aus Prag, der um die Mitte des achtzehnten Jahrhunderts als Armenarzt der deutsch-israelitischen Gemeinde in London angestellt war246 und von dem Hamburger Arzte Abraham Meyer, der aus Böhmen stammte.247 Den Königsberger jüdischen Arzt Dr. Jakob Hirschberg aus Prag, dessen Studiengang und Promotionsort unbekannt gewesen ist, konnte ich als Doktor von Halle feststellen.248 Wir stehen am Ende der Betrachtung des Zeitabschnittes, in dem die Prager Universität den Juden den Zutritt zum Studium verwehrte, den Weg zur Wissenschaft versperrte und die jüdische Jugend dadurch nötigte, ihr Streben nach wissenschaftlicher Ausbildung und einer dem Stande des damaligen Wissens entsprechenden Vorbereitung für den ärztlichen Beruf im Auslande zu befriedigen. Wenige sind es freilich gewesen, die wissensdurstig den engen Kreis der Prager Judenstadt verließen, mutig in die Fremde hinausgezogen sind und sich dort tapfer den Zugang zur weltlichen Bildung erkämpft haben. Den Universitäten im Auslande, namentlich in Deutschland, die früh mit den alten Vorurteilen gebrochen haben und den Juden die Pforten der Wissenschaft öffneten, haben diese Juden-das darf man ruhig behaupten - keinerlei Schaden zugefügt, wohl aber manchen Nutzen gebracht, indem sie wie zum Beispiel in Halle durch den Zuzug ihrer Glaubensgenossen aus der eigenen Heimat und aus anderem Auslande die damals dürftige Frequenz der medizinischen Fakultäten249 in bescheidenem Maße verstärkten. Dazu haben sie sich ihrer Lehrer nicht unwert erwiesen und ihrer alma mater alle Ehre gemacht. Nicht nur, daß sie sich als tüchtige Doktoren bewährt, zum Teil sogar als bedeutende Ärzte bekanntgemacht und am Ausbau der medizinischen Wissenschaft mitgearbeitet haben. Darüber hinaus haben sie für Ehre und Ansehen der deutschen Universitäten im Auslande gewirkt, die Namen der medizinischen Lehrstätten über die Kreise der Juden hinaus verbreitet und ihnen Achtung verschafft. Und das zu einer Zeit, da - um bei dem hallischen Beispiel zu bleiben-die wissenschaftliche Bedeutung mancher medizinischen Fakultät in Deutschland über das Weichbild des Universitätssitzes nicht weit hinausreichte.250 Durch die jüdischen Studenten erwuchs 85