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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1934-01-01 · 6 (1934) · page 36

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
6 (1934)
Date
1934-01-01
Page
– (sequence 36)
Language
German
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Göttingen studiert, bevor er 1770 zu fast einjährigem Studium an die Universität Halle kam.203 Seit seiner Promotion am 22. Juli 1771 verschwindet jegliche Spur von ihm.204 Ferner Solomon BenjaminFröschel2** und Michael Wolff Flekel (Fleckel) 206 Hirschberg, Koreff und Fröschel haben in ihren Promotionsgesuchen versichert, nach Erlangung des Doktorates zur Ausübung der Praxis in die Heimat nach Prag zurückkehren zu wollen. Dieser Zusicherung, die bei Fleckel und anderen fehlt, kommt jedoch kaum mehr als eine formale Bedeutung zu, wie schon aus dem Lebenslauf Hirschbergs und Koreffs ersichtlich ist. Denn die Zulassung jüdischer Kandidaten zur Promotion wurde in Halle stets an die Bedingung geknüpft, keine ärztliche Praxis im preußischen Lande auszuüben .207 Deshalb mußte ein Versprechen, welches eine solche Absicht ersichtlichermaßen von vornherein ausschloß, regelmäßig in das Gesuch um Zulassung zur Promotion aufgenommen werden; selbst wo es wegblieb, verstand sich sein Inhalt von selbst. Daher vermag der Hinweis auf die geplante Ausübung ärztlicher Tätigkeit in ihrer Heimat den Nachforschungen nach den weiteren Lebensschicksalen und Wirkungsstätten der Hallenser Doktoren keine sichere Zielrichtung zu geben. Von den drei Genannten finden wir nur Fröschel in Prag. Ihm wird 1773 die Zulassung zu einer medizinischen Nachprüfung an der Prager Universität zwecks Gestattung der ärztlichen Praxis allein bei Juden bewilligt, gleichzeitig aber bedeutet, daß bei etwaigem Ableben Abraham Kischs dessen Stelle als jüdischer Gemeindearzt nicht wieder besetzt werden solle,208 da neben ihm ja noch Jonas Jeitteles das gleiche Amt versah. Anscheinend der letzte Prager, der vor der allgemeinen Zulassung der Juden zum medizinischen Studium an der Prager Universität zwecks ärztlicher Ausbildung die Fridericiana in Halle aufgesucht und von ihr das Doktordiplom 1772 empfangen hat, ist Jacob Solomon Lieboschütz2™ gewesen. Nach Vollendung seiner Studien210 ging er zunächst nach Petersburg. Doch wurde ihm nicht gestattet, sich daselbst ansässig zu machen. Darauf wandte er sich nach Wilna, wo ihm seine Tüchtigkeit bald eine bedeutende Praxis verschaffte und er sich des größten Ansehens erfreute.211212 Von ihm soll der ältere Professor Johann Peter Frank,213 der bekannte Verfasser des „Systems einer vollständigen medizinischen Polizei" in sechs Bänden, als er Wilna verließ, auf die Frage, wer nach seinem (Franks) Weggang die Stadt ärztlich betreuen und für die öffentliche Gesundheitspflege sorgen werde, geantwortet haben: „Deus et judeus", „Gott und der Jude Lieboschütz". Außer an der Universität Halle, die von 1749 bis 1772 acht Prager Juden zu Doktoren der Medizin promovierte, von denen jeder, dessen Lebensschicksale sich verfolgen lassen, überdurchschnittliche Leistun- 31

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