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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1934-01-01 · 6 (1934) · page 35

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
6 (1934)
Date
1934-01-01
Page
– (sequence 35)
Language
German
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IRI
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Im nächsten Jahre entsendet die Prager Judenstadt wiederum einen ihrer Söhne zum Studium der Medizin nach Halle. Es ist Jonas Jeitteles,™1 in Prag 1735 als Sohn jenes Mischel-Löb Jeitteles geboren, welcher als Nachfolger der Familie Kisch die privilegierte Judenapotheke von ihr übernommen hatte ,192 Jeitteles, der nach anfänglicher praktischer Unterweisung durch einen Arzt in seiner Heimatstadt die Universität Leipzig besucht und daselbst auch bei Geliert gehört haben soll,193 studierte drei Jahre in Halle, wo er am 1. Oktober 1755 auf Grund einer Dissertation über die Theorie und Therapie der Zuckerkrankheit zum Doktor der Medizin promoviert wurde.194 Nach Hause zurückgekehrt, entfaltete er als angesehener Arzt und nachmaliger Präses des böhmisch-israelitischchirurgischen Gremiums eine ausgebreitete Praxis, deren Ausdehnung auf christliche Patienten ihm von Kaiser Josef II. besonders gestattet wurde.195 Er hat sich außerdem als medizinischer Schriftsteller betätigt und ein Werk „Observata quaedam medica" 1783 veröffentlicht, von dem später Teile in die deutsche Sprache übersetzt worden sind.196 Die von den meisten seiner Biographen verzeichnete Nachricht, er sei 1763 nach dem Tode Abraham Kischs sein Nachfolger in der Stellung als Prager jüdischer Gemeindearzt geworden, beruht auf einer von Carmoly erfundenen Fabel, die sich weiter fortgepflanzt hat. Ihr gegenüber ist aus den Prager Akten ohne Zweifel zu entnehmen, daß Jonas Jeitteles zwar jüdischer Gemeindearzt gewesen ist, aber als solcher neben Abraham Kisch gewirkt hat.197 Eine Berufung als Leibarzt des letzten Königs von Polen lehnte er ab. Noch während des Studiums von Jeitteles begann in Halle ein anderer Prager Jude, der Rabbinerssohn Joachim Koreff*98 (Korreff) seine Universitätsausbildung in der Philosophie und Medizin, die er nach vierjährigem Studium 1757 mit Erlangung des medizinischen Doktorgrades zum Abschluß brachte ,199 Die in dem Promotionsgesuche geäußerte Absicht, sich „wieder in mein patriam nach Prag zurückzubegeben und daselbst praxin medicam zu exerciren",200 hat er nicht zur Ausführung gebracht. Seit 1758 übte er in Breslau den ärztlichen Beruf aus, und als im Jahre 1770 Abraham Kisch die Stelle als Arzt der dortigen Chewra Kadischa und jüdischen Krankenanstalt verließ, waren Bestrebungen im Gange, sie dem Doktor Koreff zu verschaffen, was indes mißlang.198 Er ist 1805 in Breslau gestorben.201 Über Lebensschicksale und Bedeutung von weiteren drei Juden aus Prag, die in den Jahren 1771 und 1772 an der medizinischen Fakultät zu Halle promovierten, ist es bisher nicht gelungen, Genaueres zu ermitteln. Es sind: David Jacob Kisch, ein jüngerer Bruder Abraham Kischs, dem er auch seine Doktordissertation über die Cholera gewidmet hat. Er hatte zwei Jahre an der Universität Groningen,202 anderthalb Jahre bereits in 80

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