Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 34)
- Language
- German
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ten in Halle zunächst gewohnheitsmäßig festgehalten, bis ein königliches Reskript im Jahre 1784 ihre vollkommene Gleichstellung mit den christlichen Doktoranden für alle preußischen Universitäten herbeiführte.184 Für die Medizin studierenden Juden Böhmens erlangte es indessen keine Bedeutung mehr, da sie zu jener Zeit zum Zwecke ihrer Universitätsausbildung nicht mehr ins Ausland zu gehen brauchten.185 Durch das Vorgehen und den Erfolg Abraham Kischs war das Eis gebrochen und an der Universität Halle der Boden bereitet, auf dem die jüdischen Studierenden nicht bloß ihre medizinische Unterweisung sachgemäß erhalten, sondern auch ihr Doktordiplom ohne kränkende Zurücksetzung erwerben konnten. Zweifellos von dem Vorbild Abraham Kischs angeregt, zieht in den folgenden beiden Jahrzehnten eine Anzahl junger Juden aus Prag zum Zweck ärztlicher Ausbildung in die Saalestadt . Dort hatte sich seit der Neuansiedlung der Juden und der Eröffnung der Universität schon eine beträchtliche Judengemeinde wieder gebildet,186 in der sogar ein bescheidener Wohlstand herrschte, religiöser Geist und jüdische Sitte gepflegt wurden. Im Besitz des angesehenen Vorstehers der Gemeinde, des kurfürstlich sächsischen Hoffaktors und Münzlieferanten Assur Marx und seines Sohnes, befand sich eine für die damalige Zeit bemerkenswerte Büchersammlung, deren Wert ihr Besitzer selbst schon 1699 mit tausend Reichstalern bezifferte, jener „kostbare Büchervorrat von rabbinischen Schriften", den der hallische Historiograph Dreyhaupt rühmend erwähnt.187 In Halle waren die Söhne der Prager Judengemeinde nicht zuletzt also in religiöser Hinsicht geborgen, sie brauchten das Bewußtsein, im Schöße einer jüdischen Gemeinschaft leben und alle Pflichten, die ihnen ihr Glaube auferlegte, erfüllen zu können, nicht zu entbehren. Gewiß ist das bei der Wahl Halles als Studienort jüdischer Mediziner von Wichtigkeit gewesen.188 Auf Grund eines solchen Rufes vermehrte sich ständig ihre Zahl, Juden aus allen Gebieten Deutschlands, aus dem Westen, Osten und Norden, aber auch aus Ungarn, Polen und Rußland, selbst aus England waren vertreten.177 Indes ist es an dieser Stelle nicht möglich, auch nur die jüdischen Studierenden, die von Prag im achtzehnten Jahrhundert an die Universität Halle gezogen sind, erschöpfend aufzuzählen.177 Ich muß mich zunächst darauf beschränken, bloß diejenigen zu nennen, die hier ihre Studien mit der Erlangung des Doktorgrades abgeschlossen haben. Bereits zwei Jahre, nachdem Abraham Kisch die Universität verlassen hatte, im Jahre 1751 promovierte in Halle Jakob Hirschberg aus Prag, der zuerst in Frankfurt an der Oder, dann in Berlin studiert hatte.189 Unmittelbar nach seiner Promotion praktizierte er in Hamburg, etwa 1758 übersiedelte er zur Übernahme einer ärztlichen Tätigkeit am Krankenhaus der Chewra Kadischa nach Königsberg in Preußen.190 29