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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1934-01-01 · 6 (1934) · page 31

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
6 (1934)
Date
1934-01-01
Page
– (sequence 31)
Language
German
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IRI
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Dieser erste Jude, der an einer deutschen Universität zum Doktor der Medizin promoviert wurde, ist Moses Solomon Gumpertz aus Metz, Sohn und Nachfolger des Prager jüdischen Gemeindearztes Salman Gomperz.158 Auch die Universität jener Stadt, in welcher der Große Kurfürst Juden nach nahezu zweihundertjähriger Verbannung planmäßig wieder anzusiedeln begann, um das Saalegebiet wirtschaftlichem Aufstieg zuzuführen,159 die Universität Halle, die 1694 im Geiste der Toleranz und Aufklärung gegründet worden war, beschritt in ihrem Verhalten zu den Juden neue, freiheitliche Bahnen. Die alma mater Fridericiana promovierte verhältnismäßig früh, im Jahre 1724, als ersten Juden Moyses Sobernheim aus Bingen,160 der bisher irrtümlich überhaupt als erster in Deutschland graduierter Jude betrachtet wurde.161 Dieser folgte bald eine ganze Reihe weiterer Promotionen von Juden zu Doktoren der Medizin in Halle.162 Besonders groß ist die Zahl jüdischer Studierender, welche die Hochschule zu Frankfurt an der Oder anzog. Vom Ende des siebzehnten Jahrhunderts bis zum Jahre 1810 betrug sie mindestens 130163 und von 1721 bis 1794 wurden hier 29 Promotionen jüdischer Doktorkandidaten vollzogen .163 Andere Universitäten wie Heidelberg, wo im Jahre 1728,164 Gießen, wo 1729165 Juden zu Doktoren der Medizin promoviert wurden, Duisburg, wo von 1708 bis 1817 mindestens 21 Medizin studierten,166 Marburg, Mainz, Bonn, Göttingen, Bützow, Königsberg, Freiburg folgen dem Beispiel, indem sie ihnen Aufnahme und Erlangung der Doktorwürde ermöglichen.167 Nur die österreichischen Hochschulen stehen lange Zeit abseits .168 Noch 1749 erläßt die als Judenhasserin berüchtigte Kaiserin Maria Theresia ein Dekret über die medizinische Prüfungs- und Promotionsordnung für die Wiener Universität, nach welchem „Ihre k. k. Majestät nach dem Beispiele Dero glorwürdigsten Vorfahren die Acatholicos von dem Gradu ausgeschlossen haben, als welche nach der alten hergebrachten Verfassung keine Membra Universitatis sein können, noch auch sonst allhier praktizieren dürfen, wenn sie nicht mit einem besonderen landesfürstlichen Protectionali, welches aber Allerhöchst dieselbe außer gar wichtigen Ursachen nicht leicht erteilen werden, sich unterstützt befinden'*.169 Nicht weniger beginnt sich im Prager Ghetto der Geist zu regen, der über die engen Schranken der überlieferten, rein jüdisch-religiösen Erziehung hinaustrachtend sich nach weiterer Ausbildung und nach dem Erwerb allgemeiner und umfassender Kenntnisse sehnt. Freilich, bevor er sich recht entfalten kann, bricht im Dezember 1744 aus dem Gewölk, das sich lange über der Prager Judenschaft drohend zusammengeballt hatte, der vernichtende Wetterstrahl des Ausweisungsbefehls Maria Theresias, dem im Frühjahr 1745 die vollständige Austreibung aus Prag folgte.170 26

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