Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
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urkundlichen Zeugnisse, soweit eine solche bisher bereits erfolgt ist, hat für die deutschen Hochschulen interessante Ergebnisse zu Tage gefördert. Es läßt sich denken, daß die vollständige Aufarbeitung des zum Teil noch verschütteten und schwer zugänglichen Quellenmaterials weiterhin manche Überraschung ans Licht bringen könnte. Dabei sei jedoch der Deutlichkeit wegen die erläuternde Bemerkung nicht unterlassen, daß die Zahlen jüdischer Studenten an deutschen Universitäten nur im Hinblick auf die damalige Abgeschlossenheit der Juden vom profanen Bildungswesen als bemerkenswert zu bezeichnen sind. Nach dem gegenwärtigen Stande der Forschung153 ergibt sich das folgende Bild. Während im sechzehnten und siebzehnten Jahrhundert Juden aus Deutschland, um Medizin zu studieren, italienische oder holländische Universitäten aufsuchen mußten, werden sie seit dem Ende des siebzehnten Jahrhunderts an einzelnen deutschen Universitäten als Studenten und seit dem ersten Viertel des achtzehnten Jahrhunderts auch zu den Prüfungen und zur Promotion zugelassen. Wenn die nicht mehr nachprüfbare Angabe des Frankfurter Judenarztes Benjamin Levi Buxbaum in einer Eingabe an den Rat seiner Vaterstadt, daß er 13 Jahre auf deutschen und italienischen Universitäten wie Heidelberg, Wien, Siena, Pisa und anderen studiert habe, bevor er im Februar 1669 zu Padua nach zweijähriger Ausbildung zum Doktor der Philosophie und Medizin promoviert worden sei, richtig ist, dann hätte Heidelberg bereits kurz nach 1650 einen jüdischen Studenten gehabt. In der Zeit von 1724 bis 1807 sind daselbst 20 Juden immatrikuliert gewesen. In der medizinischen Fakultät zu Gießen fand im Jahre 1697 Abraham Heimans - möglicherweise sogar nicht als erster Jude - Aufnahme.154 Auf besonderen Befehl des Großen Kurfürsten, welcher bekanntlich in seiner Jugend in Holland den Geist religiöser Duldsamkeit kennen gelernt hatte und während seiner ganzen Regierung den Juden die toleranteste Behandlung zuteil werden ließ,155 wurden im Jahre 1678 zwei jüdische Jünglinge aus Polen, Gabriel Felix ben Moses, nach dem Vater auch Moschides genannt, und Tobias Kohen als Studierende der Medizin an der Universität Frankfurt an der Oder immatrikuliert und von dem freigebigen Fürsten sogar durch Stipendien unterstützt .156 Sie konnten aber an ihrer Studienuniversität den Doktorgrad nicht erlangen, vielmehr mußten sie, um ihn zu erwerben, nach Padua ziehen. In seinem 1714 erschienenen Buche „Jüdische Merkwürdigkeiten" berichtet noch Johann Jacob Schudt,157 „daß man die Juden nirgends zwar in Teutschland, sondern allein in Italien zu Doktoren, doch nicht in jure, sondern nur in der Medizin mache". Nicht ganz zehn Jahre später ist es schon anders. Der alma mater Viadrina zu Frankfurt an der Oder gebührt der Ruhm, allen deutschen Universitäten vorangegangen zu sein, indem sie 1721 einem Juden den Doktorhut verlieh. 25