Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
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ihre Pforten verschlossen oder von vornherein gar nicht geöffnet, - scheute man selbst davor nicht zurück, das Ansehen einer wissenschaftlichen Pflegestätte vom Range Paduas allein deshalb herabzusetzen und ihre Medizinschule zu diskreditieren, weil dort ein freierer Geist herrschte, der den Juden den Zutritt zur ärztlichen Ausbildung nicht verwehrte.147 So berichtet noch im Jahre 1718 anläßlich der Angelegenheit des Moses Salomon Gumpertz in verächtlichem Tone die Prager medizinische Fakultät in einem Gutachten an den Rektor und akademischen Magistrat über den aus Venedig stammenden mährisch-jüdischen Arzt Dr. Joseph Stern, Stella genannt,148 der sich in Prag ansässig zu machen versuchte, wörtlich, „daß er zu Padua al Po oder ad Povem, allwo Christen, Juden, Türken und alles Unrat kapabler und unkapablere Leut, wie weltkündig, promovieret werden, auch promoviert worden" sei.149 VI. PRAGER JUDEN AUF DEUTSCHEN UNIVERSITÄTEN15«* Indes ist die Zeit bereits im Anbruch, in welcher sich eine weniger voreingenommene und gerechtere Beurteilung der Juden allgemein und besonders in Deutschland Bahn zu brechen beginnt. Das siebzehnte Jahrhundert hatte ihnen schon auf mancherlei Gebieten eine freundlichere Behandlung als die vorangegangenen gebracht, und das achtzehnte entwickelte sich weiter zum Zeitalter der Aufklärung und der Humanität. So schwach ihre Strahlen noch waren, sie fanden ihren Weg auch in die Judengassen. Die Aufklärung suchte die dichte Nebelschicht der Vorurteile zu durchdringen und die Menschen zum selbständigen Urteil aus den eigenen natürlichen Empfindungen heraus zu leiten. Die Humanität, von ihr erleuchtet, trat aus dem engen Kreis religiöser, nationaler, Standes¬ und anderer Vorstellungen heraus und war bemüht, auch die Menschen anderer Art zu verstehen und ihnen gerecht zu werden.151 Das Streben der Juden nach einer höheren Bildung und das Entgegenkommen der Hochschulen bildet ein erfreuliches Kapitel der Judengeschichte in Deutschland.152 Die deutschen Universitäten, die Jahrhunderte lang mit Eifer und Strenge die Juden von ihren Toren ferngehalten haben, beginnen zögernd und langsam, Vertreter der jüdischen Jugend zum Studium zuzulassen und ihnen sogar die Möglichkeit zur Promotion zu gewähren. Die Zahl der Juden, die sich an deutschen Universitäten schon ein Jahrhundert vor der bürgerlichen Gleichstellung heranbilden durften, ist wesentlich größer als allgemein bekannt sein dürfte.152 Die Durchsicht der 24