Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
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medizinische Doktordiplom, und von 1619 bis 1721 sind noch weitere 149 Juden an ihr zum Doktor der Medizin promoviert worden.122 Von Padua, wo der berühmte Prager Arzt und Universitätsrektor, der 1621 auf dem Altstädter Ring hingerichtete Johann Jessenius studiert hatte,123 führen auch Fäden in die Prager Judenstadt. In Padua hat der Prager jüdische Arzt Josef Salomo Delmedigo im Alter von 15 Jahren Naturwissenschaften und Philosophie zu studieren begonnen und sich mit 18 Jahren dem Medizinstudium zugewendet, das er als Zweiundzwanzigjähriger beendigt hat.124 Weiter haben Herz Wallich und wahrscheinlich Moyses Burga Clava, die beide freilich nur kurze Zeit an der Wende des siebzehnten Jahrhunderts in Prag als Ärzte wirkten, an der Universität Padua den Doktorhut erworben.125 Der Arzt der Prager jüdischen Gemeinde Salman Gomperz (Emmerich) (1662 bis 1728), einem Zweig der berühmten Cleveschen Familie Gomperz im Lippeschen Lippstadt entstammend,126 der selbst an der Universität Leyden127 studiert und im Jahre 1684 die medizinische Doktorwürde erlangt hatte,128 verpflichtete sich 1716 anläßlich der Heirat seines Sohnes Moses, für ihn alle Kosten des Studiums, besonders die der Reise nach Padua, zu bestreiten.129 Ob diese Absicht des Moses Salomon Gomperz, in Padua Medizin zu studieren, verwirklicht worden ist, läßt sich mit Sicherheit nicht feststellen. Man kann es bezweifeln, denn sein Name ist in dem Paduaner Studentenregister der deutschen Nation nicht zu ermitteln.130 Alles spricht indes dafür, daß sein Träger mit jenem Moses Salomon Gumpertz aus Metz identisch ist, der am 22. Juli 1721 als Studiosus der Medizin in die Matrikel der Universität Frankfurt an der Oder eingetragen wurde ,131 Moses Salomon Gumpertz, so ist der Name auch in den Prager Universitätsakten geschrieben, hatte sich nämlich an der medizinischen Fakultät in Prag im Jahre 1719 mit Erfolg einer Prüfung unterzogen, um als „Adjunkt" bei seinem Vater, dem Prager jüdischen Gemeindearzt, tätig zu sein ,132 Er ist aber zu dieser Funktion nur tauglich erklärt worden, „sofern er den Gradum Doctoratus Medici auf einer solchen Universität, wo dergleichen Religions Leute promovieret zu werden pflegen, erhalten möchte". Nach den Akten zu schließen, hat er vorher wohl überhaupt an keiner Universität Medizin studiert,133 sondern nach alter Weise bei seinem Vater eine Ausbildung erhalten, die sich bei der Prager Universitätsprüfung allerdings als vortrefflich erwies. So erklärt sich denn Moses Salomon Gumpertz' Immatrikulation in Frankfurt an der Oder im Jahre 1721 auch in sachlicher Hinsicht zwangsläufig, wie sie sich zeitlich in seinen Lebenslauf ohne Schwierigkeit und bestens passend einfügt. Freilich bleibt die Frage immer noch offen, an welcher Universität der jüngere Gumpertz den Doktorgrad erlangt hat. Man kann vermuten, daß auf das Studium in Frankfurt an der Oder die Promotion daselbst 21