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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1934-01-01 · 6 (1934) · page 23

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
6 (1934)
Date
1934-01-01
Page
– (sequence 23)
Language
German
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IRI
…/2644300-2644315--2427-2646773
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Standes war dagegen ein aufrecht stehender, zum Sprung ausholender Löwe, manchmal mit einem Schwert in der Pranke,102 während sich die Apotheker zur Kennzeichnung eines Mörsers108 oder Arzneitiegels, der sogenannten Balsambüchse, bedienten. Diese Wappenbilder pflegte man regelmäßig auch auf den Grabsteinen der betreffenden Persönlichkeiten anzubringen. In der Prager Judenstadt erfreuten sich die Ärzte stets hoher Wertschätzung, zumal sie bis in das achtzehnte Jahrhundert mit ihren Fachkenntnissen in der Regel rabbinische Gelehrsamkeit vereinigten. Daß sie in nicht jüdischen Kreisen gleichfalls Ansehen genossen, ist bereits erwähnt worden. Daran kann kein Zweifel sein, obwohl sich aus dem Jahre 1600 ein bösartiges Spottgedicht auf sie erhalten hat,104 dessen Tendenz, ihnen ihre christlichen Patienten abspenstig zu machen, jedoch zu durchsichtig ist, als daß es nicht gerade dadurch die hier aufgestellte Behauptung voll bestätigte. In der Judenstadt zählten die jüdischen Ärzte jedenfalls zu den ersten Gesellschaftskreisen.105 Trotzdem und trotz mancher Begünstigungen , die ihnen die Staatsbehörden zuteil werden ließen, wurde ihnen nichtsdestoweniger bis zum Beginn des achtzehnten Jahrhunderts das Tragen des Prager Judenabzeichens, einer großen steifen, später weichen Halskrause, Kröse genannt, auferlegt. Wiederholt untersagten ihnen ausdrückliche Verbote das Anlegen von „Christenkleidern'6,106 was ebenfalls den Zweck hatte, die Praxis der jüdischen Ärzte bei christlichen Patienten zu beeinträchtigen und zu unterbinden. Erst im Jahre 1702 erreichte der Arzt der Prager jüdischen Gemeinde Dr. Salomon Gumpertz bei Kaiser Leopold I. die Befreiung vom Tragen der Halskrause.107 V. DIE AUSBILDUNG DER PRAGER JÜDISCHEN ÄRZTE BIS ZUM BEGINN DES 18. JAHRHUNDERTS Die Darlegungen über den einzigen profanen „gelehrten" Beruf und Erwerbszweig, den die Juden in früheren Jahrhunderten in größerer Zahl ergreifen konnten und mit besten Erfolgen betrieben haben, sind, so könnte es vielleicht scheinen, trotz des Strebens nach möglichst großer Kürze hier etwas zu ausführlich geraten. Indes werden sich die angestellten Betrachtungen durchaus nicht als überflüssig erweisen. Sie führen nämlich unmittelbar zu dem eigentlichen Thema wieder zurück, indem sie die Frage aufrollen: Wie stand es mit der wissenschaftlichen Ausbildung dieser Judenärzte? Wo und in welcher Weise konnten sie die notwendigen Kenntnisse für den ärztlichen Beruf erwerben, die erforder- 18

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