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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1934-01-01 · 6 (1934) · page 18

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
6 (1934)
Date
1934-01-01
Page
– (sequence 18)
Language
German
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interessantes Bild ergeben würde, worauf hier jedoch leider verzichtet werden muß. Die Betrachtung würde von dem Ziel der vorliegenden Darstellung zu sehr ablenken und über ihren Rahmen hinausgreifen. Hoffentlich wird aber diese gewiß lohnende Arbeit von anderer Seite geleistet werden.79 An dieser Stelle ist bloß für einige kurze Bemerkungen und Beobachtungen Raum. Sie beruhen zum Teil auf der Durchsicht der wichtigsten Quelle zur Kulturgeschichte der Juden in Prag, der Grabinschriften des alten Prager Judenfriedhofes, von denen bedauerlicherweise immer noch zu wenige veröffentlicht, die im Druck zugänglichen zu wenig erforscht sind .80 Nur wenige Namen bedeutender jüdischer Ärzte, die in der böhmischen Hauptstadt tätig gewesen sind, können genannt werden. Aus der bekannten französischen Exulantenfamilie Chalfan (Halvanus), welche im sechzehnten Jahrhundert über Italien und Prag nach Wien einwanderte und mehrere bedeutende Ärzte- und Gelehrtengenerationen hervorgebracht hat, lebte Abba Mari Chalfan als Arzt in Prag und starb daselbst im Jahre 1586.81 Ob auch sein Sohn, der Wiener Arzt R. Elias Chalfan (1561 bis 1624)82 sich vielleicht zeitweilig in Prag aufgehalten haben mag, muß dahingestellt bleiben.83 R. Ahron Maor-Katan Lucerna, Sohn des Arztes Moses Maor-Katan in Wien und Bruder des Jehuda Löb Maor-Katan, der ebenfalls Arzt, gleichzeitig aber Rabbiner in Wien gewesen ist, stand im Jahre 1619 bei der jüdischen Gemeinde in Prag in fester Stellung als Gemeindearzt, wofür er ein Gehalt von 300 fl. bezog.84 Er übte bei der jüdischen und bei der vornehmen christlichen Bevölkerung eine ausgedehnte ärztliche Praxis aus und hatte einen derartigen Zulauf, daß er, wie er sich selbst in einem erhaltenen Briefe ausdrückte, die Besuche nicht erlaufen konnte und gezwungen war, sie zu Pferde zu erledigen85. Später kehrte er nach Wien zurück, wo er im Jahre 1643 seine letzte Ruhestätte gefunden hat. Ferner gibt ein Prager Grabstein davon Kunde, daß der als philosophischer, mathematischer, astronomischer und medizinischer Schriftsteller berühmte Josef Salomo ben Elijahu Delmedigo (1591 bis 1655) aus Candia auf Kreta, ein Schüler Galileis, Leibarzt des Fürsten Radziwill, während seiner letzten zehn Lebensjahre den ärztlichen Beruf in Prag ausgeübt hat.86 Nur durch seinen Grabstein ist der Arzt Menachem ben Ascher Mazaretto aus Rovigo bekannt, der 1680 in Prag gestorben ist.87 Diese Reihe verdienter jüdischer Ärzte ließe sich leicht fortsetzen. Indes muß sie hier abgebrochen werden. Man sieht, die Prager jüdische Gemeinde muß eine starke Anziehungskraft auf bedeutende auswärtige jüdische Ärzte ausgeübt haben* Mitunter ließ sie es sich ein schönes Stück Geld kosten, um eine tüchtige Persönlichkeit als Gemeindearzt zu gewinnen. Den früher erwähnten Ge- 15

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