Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2644300-2644315--2423-2646769- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
halt des Ahron Maor-Katan Lucerna im Betrag von 300 Gulden in seinem Werte für die damalige Zeit abzuschätzen, ist schwierig. Wenn man aber bedenkt, daß die kaiserlichen Leibärzte Rudolphs IL, die an Rang und Gehalt den höchsten Staatsbeamten gleichgestellt waren, im Durchschnitt mit 500 bis 600 Gulden jährlich entlohnt wurden,88 so kann kein Zweifel darüber sein, daß der Prager jüdische Gemeindearzt ein sehr ansehnliches Gehalt empfing. Daß der Prager Universität mit ein Anteil daran zukommen sollte, bedeutende auswärtige Judenärzte an ihren Sitz gezogen zu haben, woran man vielleicht denken könnte, ist im höchsten Maße unwahrscheinlich. Denn einmal sind jüdische Beziehungen wissenschaftlicher oder praktischer Art zu ihr vor der zweiten Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts nicht nachzuweisen. Ferner war es an der Prager Hochschule wie schon bei ihrer Gründung, so noch mehrere Jahrhunderte hindurch um die Pflege der Medizin schlecht bestellt;89 war sie doch dem Geiste der Zeit und den Neigungen ihrer landesherrlichen Förderer entsprechend vorwiegend eine theologische Lehranstalt. Von diesem Zustand in medizinischer Hinsicht zeugt am besten gerade die Tatsache, daß einzelne jüdische Ärzte ihre Praxis erfolgreich auf christliche Kreise ausdehnen konnten. Es lag daher eher im Interesse der medizinischen Universitätskreise, auswärtige jüdische Ärzte von Prag fernzuhalten. Da das aber mit Rücksicht auf die Notwendigkeit ärztlicher Versorgung der Judenstadt nicht möglich war, mußte man sich damit begnügen, den Judenärzten immer wieder bis in das achtzehnte Jahrhundert hinein die Behandlung christlicher Kranken zu untersagen.90 Man würde jedoch die Begabung und Tüchtigkeit der Prager Juden nicht richtig einschätzen, wollte man meinen, daß allein die aus fremden Landen nach Böhmen gezogenen jüdischen Ärzte, deren Zahl mit den hier Genannten noch lange nicht erschöpft ist,91 die Blüte der Heilkunde in der Prager Judenstadt hervorgerufen haben. Vielmehr standen ihnen an Fähigkeit und Leistung die jüdischen Ärzte, die in Prag und Böhmen selbst ihre Heimat hatten, keineswegs nach, weil sich ihre Tätigkeit auf einen engeren Wirkungskreis beschränkte.92 Ihre Zahl ist groß, die hebräische Bezeichnung für Arzt „Rofe" ist in Prag geradezu zum Geschlechtsnamen geworden 93 Bei ihnen finden wir gleichfalls Familien, in denen sich der ärztliche Beruf vom Vater auf den Sohn, von Geschlecht zu Geschlecht forterbt, Familien, in denen sich durch Überlieferung und Neigung die Vorliebe für die medizinische Berufstätigkeit bis in die Gegenwart erhalten hat. Zu ihr gehörte ferner die Herstellung von Arzneimitteln ,M Das Apothekergewerbe — die hebräische Bezeichnung für Apotheker ist Rokeach95 — war nicht selten mit dem ärztlichen Berufe verbunden . Ich nenne als Ärzte- und Apothekergeschlechter beispielsweise 16