Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Während des Schlesischen Krieges 1740 bis 1742, als die zum Kriegsdienst bereiten Prager Studenten ihr Hauptquartier in der Nähe der Judenstadt hatten, wurden durch gütliche Vereinbarung mit den Judenältesten Übergriffe vermieden.62 Anläßlich der Vertreibung der Juden aus Prag durch Maria Theresia im Jahre 1745 kommt wieder die feindselige Haltung der Studenten gegen sie zum Ausdruck. Kurz vor Ablauf der letzten Auswanderungsfrist wurden in den Gassen der Altstadt und der Judenstadt Handzettel gefunden, in denen zur „Begleitung" der Juden aufgefordert wurde, was eine Aufhetzung des Pöbels gegen sie bedeutete. Die Urheber der Handzettel vermutete man in den Kreisen der Universitätsstudenten. Die böhmische Statthalterei griff jedoch durch und traf Vorkehrungen zur Sicherheit der Abziehenden. Namentlich erging an den akademischen Senat der Universität die Weisung, durch einen Anschlag am schwarzen Brett „die untergebene cives academicos unverzüglich von dergleichen Einmischung und folglichem Unglück und Schaden zu verwarnigen, weil jeder, der sich wider Vermuten gleichwohl gewaffneter Hand widersetzen würde, als Störer der öffentlichen Tranquilität in Leib- und Lebensstrafe verfallen und keineswegs geschont würde". Diese und andere behördliche Warnungen verfehlten ihre Wirkung nicht. Die Juden konnten unbehelligt von dannen ziehen.63 Vielleicht könnte man noch mehr ähnliche Beispiele zur Frage der Berührung der Prager Juden mit der Universität beibringen. Die angeführten mögen jedoch genügen. Irgendwelche Beziehungen wissenschaftlicher Art aber bestanden während des angegebenen Zeitraums zwischen beiden nicht. Wohl nur in seltenen Fällen dürften Juden bis in den Anfang des achtzehnten Jahrhunderts hinein den historischen Boden betreten haben, auf dem sich noch heute die ältesten Prager Universitätsgebäude befinden. Allein zwei Ausnahmen sind zu verzeichnen. Die Prager medizinische Fakultät übte eine gewisse Aufsicht verwaltungsrechtlicher und gesundheitspolizeilicher Art über das Medizinalwesen der Prager Judenstadt aus, worauf noch zurückzukommen sein wird.64 Sie dürfte wohl die Veranlassung dafür gebildet haben, daß im Jahre 1708 R. Jonathan Eibenschütz es wagen konnte, — ein ganz vereinzelter Fall —, von den „chachme ha-rofe'im ba-Akademie be-Prag", worunter nur die Prager medizinische Fakultät gemeint sein kann, mit Erfolg die Erteilung eines medizinischen Gutachtens in einer eherechtlich bedeutsamen Frage zu erbitten .65 Auch auf einem anderen Gebiete lassen sich Beziehungen zwischen der Universität und den Prager Juden, wenngleich bloß mittelbarer Art, feststellen, die für das Geistesleben der Prager Judenstadt von größter Bedeutung gewesen sind. Es handelt sich um die Prüfung der jüdischen Geisteserzeugnisse zwecks Zulassung zur Veröffentlichung durch 11