Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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III. BERÜHRUNGEN DER PRAGER JUDEN MIT DER UNIVERSITÄT Aus der eigenen Weltanschauung und einem tiefen inneren Bedürfnis heraus hatte sich das geistige Leben und die Wissenschaftspflege bei den Prager Juden schon früh entwickelt und selbständig zu reicher Blüte entfaltet. Die Wurzeln solcher geistiger und kultureller Entwicklung, hier an Wissenschaft und Lehre bei den Prager Juden beobachtet, jedoch bei den Juden aller Zeiten und Gegenden nachzuweisen, entspringen aus rein jüdischer Geistigkeit. Deshalb dürfte die Vermutung wohl kaum zutreffen, welche wiederholt geäußert worden ist, daß nämlich zu der Blüte und dem Gedeihen der Prager Talmudschule das Beispiel und Vorbild der Prager Universität beigetragen haben mag, deren reges Geistesleben auf das der Juden zurückgewirkt und sie zur Nacheiferung auf dem Gebiete der jüdischen Wissenschaft aufgemuntert haben soll.52 Diese Behauptung, durch keine Urkunde begründet und mit keinem Beweise belegt, scheint mir unhaltbar zu sein. Wenn man etwa auf das gemeinschaftliche Leben der Magister und Scholaren einerseits, der jüdischen Bachurim andererseits, oder ähnliche Erscheinungen hinweisen wollte, um jene Vermutung zu stützen, so wäre auch das verfehlt. Die Ähnlichkeit der Lebensgestaltung bei Juden und Nichtjuden war vielmehr durch die weitgehende Gleichartigkeit der mittelalterlichen Lebensbedingungen gegeben . Irgendwelche geistige Beziehungen oder Zusammenhänge sind in Prag nicht zu entdecken. Mehr als dreieinhalb Jahrhunderte seit der Gründung der Prager Universität bestehen nicht einmal die oberflächlichsten unmittelbaren Beziehungen wissenschaftlicher Art zwischen Juden und Hochschule. Selbst geschäftliche Verbindungen, wie solche zum Beispiel die jüdischen Bewohner von Halle zu den Kreisen der dortigen freilich viel jüngeren Universität durch das Geld- und Wechselgeschäft von Anfang an in ständige Beziehung gebracht haben,53 lassen sich für Prag erst in verhältnismäßig später Zeit nachweisen. Freilich ist es nicht ausgeschlossen, daß solche vielleicht schon früher bestanden haben mögen, wie etwa an der Wiener Universität, wo Juden nicht nur die Geldgeber der Studenten waren, sondern ihnen außerdem „Flederwische" zum Schreiben und Bücher zu ihrem religiösen und allgemeinwissenschaftlichen Bedarfe verkauften.54 Urkundliche Nachrichten darüber waren für Prag jedoch nicht aufzufinden. Rein äußerlich und zufällig waren die Berührungen, — nur von solchen läßt sich reden,—zwischen Juden und Universitätsangehörigen, wo 9