Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Israel" zu bezeichnen pflegte, mit einer Schilderung von wenigen Zeilen auch nur annähernd eine richtige Vorstellung zu geben. Besser als in anderer Weise wird eine solche durch die Nennung auch nur ganz weniger berühmter Rabbinernamen aus verschiedenen Jahrhunderten hervorgerufen:22 R. Abigdor Karo, R. Löwe ben Bezalel,23 R. Salomo Ephraim Lenczyc,24 R. Josef Salomo Delmedigo,25 R. Jomtob Lipmann ha-Levi Heller,26 R. Wolf Spira, R. Simon Spira,27 R. David Oppenheim,28 R. Jonathan Eibenschütz,29 R. Ezechiel Landau, R. Eleasar Fleckeies.30 Diese Meister waren es, die in bedeutenden anerkannten Lehrhäusern eine einflußreiche Lehrtätigkeit entfalteten.31 Ihre Schüler hatten vielfach ähnlich den christlichen Studenten an den Universitäten, eine gemeinschaftliche Wohnung in dem „Haus der Bachurim", wo sie auch speisten .32 Gegenstand des Unterrichts an den jüdischen gelehrten Schulen war fast ausschließlich der Talmud und die talmudische Literatur.33 Die Beschäftigung mit dem Talmud, gleichgültig, ob von Lehrer- oder Schülerseite , hieß schlechtweg „Lernen". Auch einigen angesehenen älteren Kommentaren zum Pentateuch wurde Aufmerksamkeit zugewendet. Indes machte die Beschränkung auf den Talmud die jungen Studierenden nicht so einseitig, wie es scheinen könnte. Denn er ist bekanntlich sehr beziehungsreich und greift in alle Lebensverhältnisse ein, die denn beim Unterrichte notwendig mit zur Sprache kamen. Bei dem namentlich im Mittelalter noch beschränkten allgemeinen Gesichtskreise bildete der Talmud so immerhin doch seine Leute. Man findet in den Schriften der Zeit geschichtliche, naturgeschichtliche, mathematische und andere Probleme behandelt. Bereits dem hohen Rabbi Low wird Sinn für jüdische Archäologie und Geschichte nachgerühmt, ja er fühlt sich veranlaßt, das Studium der Naturwissenschaften zu empfehlen 34 Sein und des gelehrten Moses Isseries Schüler, der Prager Historiograph und Mathematiker David Gans (1541—1613)35, den seine wissenschaftliche Beschäftigung in persönliche Beziehungen zuTycho de Brahe und Kepler brachte, verfaßte in seinem 1592 in hebräischer Sprache erschienenen Geschichtswerke „Zemach David" als erster Jude eine populäre allgemeine Weltgeschichte, allerdings nur in der Form einer Chronik. Als nahezu selbstverständliche Folge einer solchen intensiven geistigen Arbeit und Pflege der Wissenschaft in der Prager Judenstadt muß es erscheinen, daß Prag die erste Stadt Mitteleuropas wurde, in der hebräische Bücher gedruckt worden sind 36 Berühmt ist die Prager Druckerfamilie der Gersoniden, der die Entwicklung des jüdischen Buchdrucks auch außerhalb Böhmens reiche Förderung verdankt .37 Freilich blieben andere, als in hebräischer Sprache abgefaßte und in hebräischer Schrift gedruckte, oder Werke, die profanen Wissenschaften, nicht aber der Bibel und dem 6