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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1934-01-01 · 6 (1934) · page 8

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
6 (1934)
Date
1934-01-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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IRI
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in großen Gemeinden sogar mehrere. Außer in den ständigen Jesehiboth sammelte sich auch sonst um berühmte Rabbiner ein Schülerkreis, der beim Wegzuge seines Meisters von der alten Lehrstätte ihm nicht selten an seinen neuen Wirkungsort nachfolgte. Da vielfach auch ständige Jesehiboth, in welchen berühmte rabbinische Autoritäten eine anerkannte Lehrtätigkeit entfalteten, Talmudschüler von auswärts anzogen, entwickelte sich geradezu ein jüdisches Scholarentum .18 Denn wie man allgemein namentlich im Mittelalter „den Schulen nachziehen" mußte, so zogen auch die Talmud jünger den Talmudschulen nach. Nicht selten führten die Schüler ein Wanderleben. Man wollte möglichst viele Lehrer hören und ihre verschiedenen Lehrmethoden kennen lernen. Die jüdischen Gelehrtenschulen in Frankreich und am Rhein, wo sich wegen der dem Handel günstigen Verkehrsstraßen Juden zahlreich angesiedelt hatten, gelangten frühzeitig zu hoher Blüte und Bedeutung. Noch im Hochmittelalter waren sie Brennpunkte jüdischer Wissenschaftspflege, die Talmudschüler aus der ganzen Judenheit anzogen. Sie werden von Männern wie Isaak Or Sarua mit höchsten Worten gerühmt und haben Gelehrte vom Range eines Raschi hervorgebracht. Auch aus den entferntesten Gegenden zogen wißbegierige Jünglinge, Bachurim genannt (Bachur Jüngling), an den Rhein und nach Frankreich, um in den dortigen Schulen die talmudische Wissenschaft zu studieren; und in die Heimat zurückgekehrt, waren sie es, die selbst wieder Schulen gründen konnten. Der Einfluß der westlichen jüdischen Gelehrsamkeit reicht daher nachweisbar wie bis nach Polen, Ungarn und Rußland, so auch nach Böhmen.19 Die jüdischen Gelehrten Böhmens haben, soweit ihre Lebensgeschichte genauer bekannt ist, zu Füßen der Gesetzeslehrer am Rhein und in Frankreich gesessen. Prag war der Mittelpunkt der wissenschaftlichen Pflege des Religionsgesetzes und der Hauptsitz bedeutender Gesetzeslehrer geworden, mit denen gleichzeitig die Gemeinde ihrer Wirksamkeit zu europäischer Berühmtheit gelangte und eine Leuchte auf dem Gebiete der jüdischen Wissenschaft geworden ist. Schon frühzeitig war Prag der Sitz mehrerer Lehrhäuser, deren gelehrte Häupter die Verbindungen mit den jüdischen Gelehrten Deutschlands pflegten19, und bereits im 16. Jahrhundert bildeten sich dort und nach diesem Vorbilde alsbald in nahen und fernen Gemeinden, Vereine zum Studium und zur steten Wiederholung der Mischna.20 Es ist nicht zu bezweifeln, daß schon im Mittelalter die Prager Judengemeinde nicht nur wegen ihrer wirtschaftlichen Bedeutung, sondern vor allem infolge ihres geistigen Lebens zu den bedeutendsten jüdischen Gemeinden in Deutschland gezählt wurde .21 Es ist unmöglich, von der großartigen Entfaltung jüdischen Geisteslebens in der Prager jüdischen Gemeinde, die man mit dem Ehrennamen „Mutter in 5

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