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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1934-01-01 · 6 (1934) · page 7

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
6 (1934)
Date
1934-01-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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IRI
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wären. Zwei Ghetti waren es vielmehr, die streng von einander geschieden keinerlei Berührungspunkte aufwiesen. Auf der einen Seite das Judenghetto, schon äußerlich genau umgrenzt und von der christlichen Umwelt durch Tore streng abgesperrt. Auf der anderen das Studenten viertel, wo in den Kollegien und Bursen Magister und Scholaren, zu klösterlicher Gemeinschaft vereinigt, fast örtlich abgeschlossen waren, so daß man diese nicht unpassend als Scholarenghetto bezeichnet hat.13 Aber auch in jenem anderen Ghetto lebte ein Geist, der seine Kraft nicht bloß im Geldgeschäft und Kleinhandel erschöpfte. Es ist nicht allein das Leben des mittelalterlichen Christenmenschen, das in einem breiten Einheitsstrome dahinfloß, von dem großartigen Einklang, in dem Recht, Sitte,Moral, Religion, Kunst, Sprache standen, beherrscht war.14 Auch alle Daseinsgestaltungen des mittelalterlichen Juden, - und diese blieben lange über das Mittelalter hinaus mittelalterlich, - waren in der nämlichen letzten, tiefsten Idee, im Nährboden seiner Religion verwurzelt, in einheitlicher Zielrichtung strömten sie alle von dort hervor. Es gab keine Lebensbetätigung des Juden, die nicht in Gott und dem göttlichen Willen verankert gewesen wäre. Auch der jüdische Mensch lebte in jenen mittelalterlichen Zeiten sein eigenes Dasein, anders als heute, „nicht zersplittert, zerrissen und von Widersprüchen hin- und hergeworfen, sondern geradlinig, geschlossen, in Einheit wollend, denkend und fühlend". Alle Dinge redeten ihm in der gleichen, der heiligen Sprache. Die Beschäftigung mit der heiligen Lehre, der Thora, war ihm als eine der höchsten Pflichten vom Religionsgesetz für sein ganzes Leben auferlegt. In ihr wurde daher die verdienstlichste und gottgefälligste Tätigkeit erblickt. Sie beherrschte das ganze Dasein des Juden. „Frage deinen Vater, er wird dir sagen"; „Du sollst die Worte Gottes deinen Kindern einschärfen". Das sind Vorschriften, durch welche seit alten Zeiten der Vater geradezu zum Lehrer seines Sohnes bestimmt wird und auf welche die jüdische Tradition die Verpflichtung zum Thoraunterricht überhaupt begründet . Darauf fußte die vom jüdischen Volk im Laufe seiner Entwicklung immer festgehaltene Grundanschauung: die Achtung vor dem Wissen und die Verachtung des Nichtwissens.15 Die Erforschung und Durchdringung des in der Thora enthaltenen Gotteswortes wird als das ausschließliche jüdische Erziehungs- und Bildungsideal aufgestellt.16 Es wird zum jüdischen Lebensideal. Allezeit haben die jüdischen Gemeinden ihren besonderen Ehrgeiz und Stolz darein gesetzt, jenem religiösen Gebote zu genügen, indem sie der Wissenschaft würdige Pflegestätten bereiteten und die besten und angesehensten Gelehrten als Lehrer in ihre Mitte zu ziehen suchten. Die meisten jüdischen Gemeinden unterhielten Lehrhäuser, die den Namen Jeschiba17 führten. Solcher „Talmudhochschulen" gab es nicht selten 4

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