Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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rus.6 Dieses hinter der St. Niklaskirche gelegene Judenhaus war wahrscheinlich nach dem Tode des Juden Lazarus, Sohnes des Mann, eines der reichsten Prager Juden seiner Zeit, dem König heimgefallen. Es wurde von Karl IV. im Jahre 1366 den Magistern der Prager Hochschule als erster Sitz des Karlskollegiums geschenkt, das daselbst bis zum Erwerbe eines stattlicheren Hauses im Jahre 1383 verblieb, worauf 1386 die Übersiedlung in das Rotlöwsche Haus, das Carolinum, folgte.7 Vielleicht ist aber die Unterbringung von Universitätsanstalten in Judenhäusern auch nicht als bloßer Zufall anzusprechen. Wenn man die Geschichte der Universitäten verfolgt, kann man diesen symbolhaften Vorgang nämlich noch öfter beobachten. In ähnlicher Weise schenkte nach Vertreibung der Juden aus der Kurpfalz Pfalzgraf Ruprecht II. am 21. Mai 1391 der neu gegründeten Universität Heidelberg den Grundbesitz der Heidelberger Juden.8 In Wien wurde Steinmaterial zum Universitätsbau verwendet, das von der im Jahre 1406 durch Brand zerstörten Synagoge stammte.9 Auch in Frankfurt an der Oder diente zu dem philosophischen Kollegienhaus, dem späteren Universitätsgebäude, wahrscheinlich die frühere Synagoge, jedenfalls ein Judenhaus.10 Ob auf diese und ähnliche Vorgänge das Prager Vorbild von Einfluß gewesen ist, läßt sich nicht mit Sicherheit sagen. Es dürfte schwerlich zu erweisen sein. Aber im Hinblick auf den katholischen Charakter der mittelalterlichen Universitäten liegt doch der Gedanke nahe, daß in der Widmung von ehemaligen Judenhäusern, besonders von Synagogen, für Universitätszwecke, namentlich als Sitz der theologischen Studien, vielleicht ein wohlgefälliges Werk erblickt worden sein mag, indem man glaubte, daß „Finsternis in Licht verwandelt werden" sollte.11 II. WISSENSCHAFTSPFLEGE IN DER PRAGER JUDENSTADT1* Es dürfte schwerlich in Zweifel zu ziehen sein, daß die Prager Juden bis zum 18. Jahrhundert die Unmöglichkeit, einer höheren wissenschaftlichen Ausbildung an der Prager Universität teilhaftig zu werden, niemals als Zurücksetzung empfunden haben können. Ja, man wird füglich behaupten dürfen, daß ihnen jene Ausschließung vom Zugang zur Universitätsbildung sogar überhaupt nicht einmal zu Bewußtsein gekommen sein mag. Das aber natürlich nicht etwa deshalb, weil die Prager Juden in früheren Jahrhunderten für geistige Werte nicht empfänglich gewesen 3