Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 5 (1933)
- Date
- 1933-01-01
- Page
- – (sequence 425)
- Language
- German
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Lipmann stattgefunden? Grätz5 und Jehuda Kaufmann6 nehmen an, daß Prag gemeint sei. Kaufmann führt zwei Dokumente dieser Zeit an, durch die der Aufenthalt Lipmanns in Prag bezeugt wird. Das eine ist allerdings nicht datiert, gehört jedoch dem Ende des 14. oder Anfang des 15. Jahrhunderts an und erzählt, daß „ein Scheidebrief geschickt4' wurde, „von Regensburg in die Hand des Lipmann Mühlhausen, damit er ihn überreiche der Frau in seiner Stadt". Das zweite Dokument dagegen ist datiert und zwar stammt es aus Prag aus dem Jahre 1413, eine religionsgesetzliche Entscheidung der Dajanim „Jom-tov Sohn Salomon genannt Lipmann-Mühlhausen", „Menachem Sohn Jakob Schalem" und „Avigdor Sohn des Märtyrers Isaak Karo".8 Auf einen anderen Zeugen für den Aufenthalt Lipmanns in Prag hat Grätz hingewiesen.9 Es ist der etwa ein Jahrhundert später lebende Naphtali Treves, der in der Einleitung zu seinem kabbalistischen Gebetbuche erwähnt, daß Lipmann in Prag gelebt habe. Aber Grätz hat auch schon auf eine Nachricht aufmerksam gemacht, welche Lipmann-Mühlhausen in Krakau nennt. Das eben genannte Werk Nizzachon Lipmanns ist von dem im XV. Jahrhundert lebenden Bischof Bodecker in einer eigenen Schrift bekämpft worden. Über den Autor des Nizzachon sagt Bodecker: „Jüngst trat ein Jude im Königreich Polen in der Stadt Krakau um das Jahr 1420 auf, der sich Rabbi Lipmann nennt, der ... zu den alten Lästerungen neue bringt. Vom Latein weiß er wenig." Es liegt auf der Hand, daß diese Angabe nicht im Widerspruch mit den früheren steht. Lipmann konnte ganz wohl 1420 in Krakau „aufgetreten" sein und vorher (1413 und noch früher) in Prag gewesen sein. Es wäre daher ganz gut möglich, daß Lipmann sich bereits 1399 und 1400 in Prag aufgehalten hat und dann würde sich seine Erzählung von der Zwangstaufe usw. auf die Juden in Prag beziehen. Gegen diesen Schluß spricht jedoch ein gewichtiges Argument. In den böhmischen Geschichtsquellen,10 die bisher bekannt sind, ist von den Vorgängen, die im Nizzachon geschildert werden, nicht eine Spur zu finden. Es muß also vorläufig dahingestellt bleiben, ob die genannten Vorgänge in Prag oder anderswo sich ereignet haben. Aber die Erzählung Lipmanns ist unter allen Umständen wertvoll und sie möge deshalb in deutscher Übersetzung11 hier folgen. Hundert Jahre blieb Lipmann-Mühlhausen ohne Denkmal. Vielleicht auch, weil sein Sohn vom alten Väterglauben abgefallen war, wie fremde Quellen es wissen wollen. Vor zehn Jahren erst ist dem Verfasser 430 2