Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 5 (1933)
- Date
- 1933-01-01
- Page
- – (sequence 424)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2644300-2644317--2392-2646737- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Zur Geschichte der Juden von Prag unter König Wenzel IV. Von Emanuel Schwartz In einer hebräischen Dissertation,1 die im Jahre 1927 zu New York erschienen ist, hat Jehuda Kaufmann sich mit dem Leben und den Schriften von Lipmann-Mühlhausen (so wird er gewöhnlich genannt) befaßt und durch gründliche Forschung besonders über die Schriften Lipmanns unsere Kenntnis bereichert. Der Persönlichkeit Lipmanns hat schon Grätz2 seine Aufmerksamkeit zugewandt und er nennt ihn „den ersten und vielleicht auch einzig gebildeten deutschen Juden im Mittelalter" und zwar deshalb, weil Lipmann neben dem Talmud sich auch noch mit der Bibel befaßte und sogar das neue Testament in der lateinischen Übersetzung (Vulgata) verstand. Daneben kannte er auch das ganze rabbinische Schrifttum.3 Das Hauptwerk Lipmanns, Nizzachon (Der Sieg),4 enthält einen längeren Passus, der sowohl für die Lebensgeschichte Lipmanns selbst, als ganz besonders für die Geschichte der Juden, unter welchen er gelebt hat, von Wichtigkeit ist. Er erzählt, daß die Juden der Stadt oder des Ortes, in dem er lebte, gezwungen wurden, zum Christentume überzutreten, und zwar sei dies am 4. Elul 5159 (=3. Aug. 1399) geschehen; daß ein getaufter Jude, der früher Pessach geheißen hatte, und seit der Taufe den Namen Peter führte, das Volk gegen die Juden aufreizte und daß Lipmann gerufen wurde, um die Menge zu beschwichtigen; er erzählt uns weiter, daß er mit Pessach-Peter ein Religionsgespräch hatte und gibt auch die einzelnen Beschuldigungen gegen die Juden und deren Widerlegung durch ihn wieder. Ein Jahr nach der Zwangstaufe, nämlich am Neumondstag des Monats Elul 160 hätten „siebenundsiebzig Personen zur Heiligung des göttlichen Namens" den Tod gefunden und am 21. Tag desselben Monats (Elul) hätten drei weitere Personen den Feuertod erlitten. Lipmann, der das alles berichtet, bemerkt zum Schluß dieses Abschnittes, er selbst sei ohne sein Verdienst durch die Gnade Gottes gerettet worden. Wo haben sich diese Ereignisse, die Zwangstaufe der Juden und der Tod von achtzig (77 + 3) derselben, weil sie „den göttlichen Namen heiligten", zugetragen? Wo hat Peter-Pessach, von dem Lipmann erwähnt, daß er auch eine Schrift gegen die Juden verfaßt habe, sein Unwesen getrieben und wo hat das Religionsgespräch zwischen ihm und 1 429