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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1933-01-01 · 5 (1933) · page 402

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
5 (1933)
Date
1933-01-01
Page
– (sequence 402)
Language
German
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IRI
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aus. Er war gegen den Grundsatz, die Staatsbürgerschaft nur reicheren Juden zu erteilen; das widerspreche den Ideen der Humanität und Philanthropie, ganz abgesehen davon, daß nicht der reiche, sondern gerade der arme Jude moralisch auf tiefer Stufe stehe und eine Besserung seiner Verhältnisse brauchen würde. Reiche Judenfamilien hätten bequeme Wohnungen, ließen ihre Kinder sorgfältig erziehen, widmeten sich der Wissenschaft, dem Handel und der Industrie und könnten auch unter den bestehenden Gesetzen sogar den Adelsstand erreichen; die Freiheit der Religionsausübung, die freie Berufswahl und der Zutritt zu akademischen Würden sei ihnen ohnehin gewährleistet. Es sei daher vor allem nur noch um die Erlaubnis zur freien Eheschließung und um den Zutritt zu den Staatsämtern zu tun. Eine ausnahmsweise Verleihung der Staatsbürgerschaft nur nach der Größe des Reichtums würde bei den Ärmeren nur böses Blut machen und würde nur Tür und Tor für allerhand Willkür und Bestechung öffnen, so daß der Schaden größer wäre als der Nutzen. David verweist darauf, daß die Juden gegen das Vorurteil aus grauer Vorzeit ankämpfen müssen; dieses ist gerade in den höheren Ständen verwurzelt, wo die höhere gesellschaftliche Bildung zu Hause ist, und kein Gesetz wird es beseitigen; nur durch vollständige Gleichstellung aller Juden mit den Christen, durch ihre Zulassung zu den Staatsämtern und durch die Bewilligung gemischter Ehen zwischen Juden und Christen würde diesem mittelalterlichen Vorurteil der Nährboden entzogen. Hasner und David waren aber die einzigen, die den Mut fanden, ihre grundsätzliche Zustimmung zu der unbeschränkten Gleichstellung aller Juden mit der christlichen Bevölkerung auszusprechen. Die übrigen Gutachten verschlossen sich zwar nicht gegen die ausnahmsweise und an verschiedene Bedingungen gebundene Bewilligung größerer bürgerlicher Rechte an hervorragende Juden, wie dies auch das Präsidialzirkular vorsah, aber sonst erachteten sie die böhmische Judenschaft als Ganzes nicht für reif genug, um ihr die Staatsbürgerschaft einzuräumen. Die Argumente, mit denen die Gegner der Judenemanzipation ihre ablehnende Haltung zu begründen suchten, ließen sich auf eine Stammreihe von Einwänden zurückführen; diese wurden schon in den verflossenen Jahrhunderten gegen die Juden ins Treffen geführt und beherrschten noch damals nicht nur die breite christliche Öffentlichkeit, sondern auch die Hauptrepräsentanten der Staatsverwaltung, wie wir dies in der damaligen Zeit übrigens auch in anderen amtlichen Verhandlungen bezüglich dieser Kardinalfrage sehen. Der Prachiner Kreishauptmann Maschke betonte gleich eingangs - ebenso wie andere Kreishauptleute - man könne bezüglich dieser Sache je nach dem Standpunkt des Beurteilers verschiedener Meinung sein. Nach den einen seien die Juden schädlich, nach den andern wiederum 95 407

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